ich werde dir vergeben

die einladung

dein lebensweg

die drei b├Ąume

es hilft, dann und wann zur├╝ckzutreten

zeit, handeln und angst

dein wille

mit ganesh und guru per du

der buddha und der wissenschaftler

der verzagte baumwollfaden

das sch├Âne herz

communio

ein besonderes geschenk

in der u-bahn

hinter den dingen

der lange marsch

fluchtwege

liebe und gleichheit

schalten sie ihre taschenlampe aus

...eine frau l├Ąuft ├╝ber wasser,

gedichte

bei der gestapo

gl├╝ck oder ungl├╝ck?

ein lichtblick

suche nichts als ein reines, einfaches entsinken

von der religion

w├Ąhrend wir schlafen,

wir leiden unmengen von schmerz...

denk dir ein bild...

nur im alleinsein ist unschuld

wie man tag und nacht unterscheidet

geh, verlass die heimat

der gefangene l├Âwe

der bauchnabel

das kleine b├Ąumchen

der k├╝rzere weg

spuren am weg

himmel und h├Âlle

warum erkennen wir es nicht?

die schuldfrage

was ist die ewige wahrheit

verborgen

von der liebe

angelus silesius

befreiung von unwissenheit und leid

angst blockiert den sch├Âpferischen unternehmungsgeist

raum

der neue freund

warum bist du nicht sussja geworden?

mit gott zu mittag gegessen...

w├Ąhle immer wieder gott

hindernisse auf dem weg zum gl├╝ck

ich werde dir vergeben

die worte sind so klein,
aber ein universum verbirgt sich in ihnen.
wenn ich dir vergebe,
werden all die fesseln aus ├Ąrger,
schmerz und traurigkeit,
die sich um mein herz gelegt haben,
verschwunden sein.
wenn ich dir vergebe,
wirst du mich nicht l├Ąnger definieren.
du hast mich bemessen und beurteilt
und entschieden,
dass du mich verletzen kannst.
ich habe nicht gez├Ąhlt.
aber ich werde dir vergeben
weil ich doch z├Ąhle,
weil ich doch wichtig bin.
ich bin gr├Â├čer als das bild,
das du von mir hast.
ich bin st├Ąrker,
ich bin sch├Âner
und ich bin unendlich viel wertvoller
als du mich gedacht hast.
ich werde dir vergeben.
meine vergebung ist kein geschenk,
das ich dir schenke.
wenn ich dir vergebe,
wird meine vergebung
ein geschenk sein,
das sich mir schenkt.

ein mensch

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die einladung


es interessiert mich nicht, womit du deinen lebensunterhalt verdienst.
ich m├Âchte wissen, wonach du innerlich schreist und ob du zu tr├Ąumen wagst, der sehnsucht deines herzens zu begegnen.
es interessiert mich nicht, wie alt du bist.
ich will wissen, ob du es riskierst, wie ein narr auszusehen, um deiner liebe willen, deiner tr├Ąume willen und f├╝r das abenteuer des lebendigseins.
es interessiert mich nicht, welche planeten im quadrat zu deinem mond stehen.
ich will wissen, ob du den tiefsten punkt deines eigenen leides ber├╝hrt hast, ob du ge├Âffnet worden bist von all dem verrat oder ob du zusammengezogen und verschlossen bist vor angst vor weiterer qual.
ich will wissen, ob du mit dem schmerz - meinem und deinem - dasitzen kannst, ohne zu versuchen, ihn zu verbergen oder zu mindern oder ihn zu beseitigen.
ich will wissen, ob du mit freude - meiner und deiner - dasitzen kannst von den fingerspitzen bis zu den zehenspitzen, ohne uns zur vorsicht zu ermahnen, zur vernunft oder die grenzen des menschseins zu bedenken.
es interessiert mich nicht, ob die geschichte, die du erz├Ąhlt hast, wahr ist.
ich will wissen, ob du jemanden entt├Ąuschen kannst, um dir selber treu zu sein. ob du den vorwurf des verrats ertragen kannst und nicht deine eigene seele verr├Ątst.
ich will wissen, ob du vertrauensvoll sein kannst und von daher vertrauensw├╝rdig und ob du dein leben aus gottes gegenwart speisen kannst.
ich will wissen, ob du mit dem scheitern - deinem und meinem - leben kannst und trotzdem am rande des sees stehen bleibst und zu dem silber des vollmonds rufst: "ja!"
es interessiert mich nicht, zu erfahren, wo du lebst und wieviel geld du hast.
ich will wissen, ob du aufstehen kannst nach einer nacht der trauer und verzweiflung, ersch├Âpft und bis auf die knochen zerschlagen und tust, was f├╝r die kinder getan werden muss.
es interessiert mich nicht, wo oder was oder mit wem du gelernt hast.
ich will wissen, was dich von innen h├Ąlt, wenn sonst alles wegf├Ąllt.
ich will wissen, ob du allein sein kannst und in den leeren momenten wirklich gern mit dir zusammen bist.

ein mensch

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dein lebensweg

niemand kennt den weg, den du vor dir hast. noch nie ist jemand diesen weg gegangen, und niemals wird ein anderer diesen weg gehen, denn es ist dein weg. er ist so einmalig, wie du einmalig und einzigartig bist. ja, du bist einzigartig und darfst mit deinem leben einen wertvollen beitrag schenken auf deine ganz besondere einmalige art. es ist deine wahre bestimmung, um die dein herz wei├č.

so gehe deinen weg und gehe ihn auf deine einmalige art. aber versuche nicht, m├Âglichst schnell am ziel zu sein. denn es gibt kein ziel. der weg ist das ziel. und das ziel ist nur das ende des weges und der anfang eines neuen weges.

also genie├če deinen weg, schritt f├╝r schritt, deinen einmaligen und wundervollen lebensweg. lass dich jeden tag vom leben beschenken, denn das leben will nichts anderes, als dich zu beschenken. darum mach dich bereit zu empfangen und lass dich von der stimme deines herzens f├╝hren. auf dass du die einmalige melodie deines lebens immer klarer in dir h├Ârst. und singe!
denn alles findet nur dir zur freude statt. die ganze sch├Âpfung ist f├╝r dich da!

ein mensch

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die drei b├Ąume

es waren einmal drei kleine b├Ąume, die auf einem berggipfel standen und davon tr├Ąumten, was sie werden wollten, wenn sie einmal gro├č sein w├╝rden. der erste kleine baum schaute zu den sternen auf und sagte: "ich m├Âchte sch├Ątze aufbewahren. ich m├Âchte mit gold bedeckt und mit kostbaren steinen gef├╝llt werden. ich werde die allersch├Ânste schatztruhe der welt sein." der zweite kleine baum schaute hin├╝ber zu dem kleinen bach der auf seinem weg zum meer dahinpl├Ątscherte. "ich m├Âchte ├╝ber gro├če wasser fahren und m├Ąchtige k├Ânige bef├Ârdern. ich werde das grandioseste schiff der welt sein." der dritte kleine baum schaute hinunter ins tal, wo flei├čige m├Ąnner und frauen in einer gesch├Ąftigen stadt arbeiteten. "ich m├Âchte den berggipfel ├╝berhaupt nicht verlassen. ich m├Âchte so gro├č wachsen, dass, wenn die menschen anhalten und mich anschauen, sie ihre augen zum himmel erheben und an gott denken werden. ich werde der h├Âchste baum der welt sein."

jahre vergingen. regen fiel, die sonne schien, und die kleinen b├Ąume wurden gro├č. eines tages kamen drei holzf├Ąller den berg hoch. der erste holzf├Ąller sah den ersten baum an und sagte: "dieser baum ist sehr sch├Ân, er ist genau richtig f├╝r mich." mit kr├Ąftigen schl├Ągen seiner schimmernden axt fiel der erste baum. "jetzt werde ich zu einer wundersch├Ânen schatzkiste verarbeitet werden! ich werde wunderbare sch├Ątze beherbergen!", freute sich der erste baum. der zweite holzf├Ąller sah den zweiten baum und sagte: "dieser baum ist stark. er ist genau, was ich brauche." mit kr├Ąftigen schl├Ągen seiner schimmernden axt fiel der zweite baum. "jetzt werde ich ├╝ber gro├če wasser segeln", dachte sich der zweite baum. "ich werde ein pr├Ąchtiges schiff f├╝r m├Ąchtige k├Ânige sein!" der dritte baum f├╝hlte, wie sein herz sank, als der dritte holzf├Ąller in seine richtung schaute. er stand gerade, hochgewachsen und zeigte tapfer in richtung himmel. doch der holzf├Ąller schaute nicht einmal hoch. er murmelte: "f├╝r mich ist jeder baum recht." mit kr├Ąftigen schl├Ągen seiner schimmernden axt fiel der dritte baum.

der erste baum jubelte, als der holzf├Ąller ihn zu einer schreinerei brachte. doch der schreiner fertigte aus dem baum einen futtertrog f├╝r tiere. der einst so sch├Âne baum wurde nicht mit gold bedeckt, oder mit sch├Ątzen gef├╝llt. er wurde mit s├Ągemehl eingest├Ąubt und mit heu f├╝r die hungrigen tiere eines bauern gef├╝llt.der zweite baum l├Ąchelte, als der holzf├Ąller ihn zu einer schiffswerft brachte. doch an diesem tag wurde kein gewaltiges segelschiff gebaut. stattdessen wurde der einst so m├Ąchtige baum behauen und zers├Ągt und zu einem einfachen fischerboot verarbeitet. es war zu klein und zu schwach, um auf dem meer oder auch nur auf einem gro├čen fluss zu segeln. stattdessen wurde es zu einem see gebracht. der dritte baum war verwirrt, als der holzf├Ąller ihn in dicke balken zers├Ągte und in einem holzlager liegen lie├č. "was ist passiert", wunderte sich der einst so gro├če baum, "ich wollte doch nur auf dem berggipfel bleiben und zu gott zeigen..."

es vergingen viele jahre, und mit der zeit verga├čen die drei b├Ąume ihre tr├Ąume. aber eines nachts schien goldenes sternenlicht auf den ersten baum, als eine junge frau ihr neugeborenes baby in den futtertrog legte. "ich w├╝nschte, ich k├Ânnte ihm eine wiege machen", fl├╝sterte ihr mann. die mutter dr├╝ckte seine hand und l├Ąchelte, als das sternenlicht auf das glatte und kr├Ąftige holz schien. "diese krippe ist wundersch├Ân", meinte sie. und pl├Âtzlich wusste der erste baum, dass er den gr├Â├čten schatz der welt h├╝tete. eines abends dr├Ąngten sich ein m├╝der reisender und seine freunde in das alte fischerboot. der reisende schlief ein, w├Ąhrend der zweite baum ruhig auf den see hinaus segelte. bald erhob sich ein donnernder und tosender sturm. der zweite baum erschauerte. er wusste, dass er nicht die kraft hatte, so viele passagiere sicher durch den wind und regen zu tragen. der m├╝de mann erwachte. er stand auf, streckte seine hand aus und sagte: "sei still!" der sturm h├Ârte genauso schnell auf, wie er begonnen hatte. pl├Âtzlich wusste der zweite baum, dass er den k├Ânig des himmels und der erde trug. an einem freitagmorgen wurde der dritte baum aufgeschreckt, als seine balken von dem vergessenen holzhaufen gezerrt wurden. er schreckte zur├╝ck, als er durch eine w├╝tende und spottende menschenmenge getragen wurde. er zuckte zusammen, als soldaten die h├Ąnde eines mannes an ihm festnagelten. er f├╝hlte sich h├Ąsslich, rauh und grausam. doch drei tage sp├Ąter, als die sonne aufging und die erde voller freude unter ihm erbebte, wusste der dritte baum, dass gottes liebe alles ver├Ąndert hatte. sie hatte ihm kraft gegeben. und jedes mal, wenn die menschen an den dritten baum denken, denken sie an gott. das ist besser, als der h├Âchste baum der welt zu sein.

ein mensch

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es hilft, dann und wann zur├╝ckzutreten

es hilft dann und wann zur├╝ckzutreten und die dinge aus der entfernung zu betrachten.

das reich gottes ist nicht nur jenseits unserer bem├╝hungen. es ist auch jenseits unseres sehverm├Âgens. wir vollbringen in unserer lebenszeit lediglich einen winzigen bruchteil jenes gro├čartigen unternehmens, das gottes werk ist.

wir bringen das saatgut in die erde, das eines tages aufbrechen und wachsen wird. wir begie├čen die keime, die schon gepflanzt sind in der gewissheit, dass sie eine weitere verhei├čung in sich bergen. wir bauen fundamente, die auf weiteren ausbau angelegt sind. wir k├Ânnen nicht alles tun.

es ist ein befreiendes gef├╝hl, wenn uns dies zu bewusstsein kommt. es macht uns f├Ąhig, etwas zu tun und es sehr gut zu tun. es mag unvollkommen sein, aber es ist ein beginn, ein schritt auf dem weg, eine gelegenheit f├╝r gottes gnade, ins spiel zu kommen und den rest zu tun.

wir m├Âgen nie das endergebnis zu sehen bekommen, doch das ist der unterschied zwischen baumeister und arbeiter. wir sind arbeiter, keine baumeister. wir sind diener, keine erl├Âser. wir sind propheten einer zukunft, die uns nicht allein geh├Ârt.

ein mensch

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zeit, handeln und angst

ich schreibe hier ├╝ber eine mir sehr ernste angelegenheit: ├╝ber die frage, ob freiheit, totale freiheit von inneren ├Ąngsten, m├Âglich ist. um dieser frage wirklich auf den grund zu kommen, sp├╝re ich das bed├╝rfnis nicht nur zu verstehen, was zeit ist, sondern auch, was handeln ist, denn handeln erzeugt angst, die im ged├Ąchtnis gespeichert wird, und dieses ged├Ąchtnis begrenzt, kontrolliert und bestimmt das handeln. m├Âchte ich also frei von angst sein, dann ist es f├╝r mich notwendig zu verstehen, dass angst und zeit ein und dasselbe sind. g├Ąbe es keine zeit, h├Ątten ich keine angst. ich frage mich, ob ich das sehen kann. wenn es kein morgen g├Ąbe, nur das hier und jetzt, w├╝rde die angst als eine bewegung des denkens enden.

es gibt sowohl die chronologische als auch die psychische zeit. in diesem bereich spielt sich mein leben ab. in diesem bereich des denkens, das zeit ist, handle ich ┬ľ ich handle als christ oder als kommunist, als sozialist, buddhist, hindu oder atheist immer innerhalb der bewegung des denkens als zeit und ma├č. ich denke, das ist soweit klar, so dass ich mich nun daranmachen kann, den ursprung der angst zu erforschen. vielleicht habe ich jetzt, w├Ąhrend ich hier sitze, kein angst vor irgendetwas bestimmtem. aber in meinem bewusstsein gibt es angst. in meinem unbewussten oder im bewusstsein lauert dieses schreckliche, das ich anspannung, schmerz, trauer, leid und angst nenne. vielleicht habe ich insgeheim angst vor dem morgen, davor, was morgen geschehen k├Ânnte oder was ich vielleicht nicht erreichen werde. wird diese beziehung, aus der ich so viel vergn├╝gen und trost gesch├Âpft habe, andauern, wird sie dauerhaft sein? oder wird sich etwas ├Ąndern? das bef├╝rchtet der geist, denn der geist, das gehirn, braucht stabilit├Ąt, braucht sicherheit, um zu funktionieren. ich m├Âchte ernsthaft bedenken. der verstand wird irgendeine schlussfolgerung ziehen, weil ihm das sicherheit gibt. es kann eine rationale oder irrationale schlussfolgerung sein, eine fantastische vorstellung oder eine rationale beobachtung. der verstand wird sich daran klammern, weil solche schlussfolgerungen ihm das gef├╝hl v├Âlliger sicherheit geben.


da sind also ├Ąngste, bewusste wie unbewusste, in den hintersten winkeln meines eigenen geistes verborgene ├Ąngste, die nie untersucht, nie ans licht gebracht wurden. angst ist, ebenso wie psychischer schmerz, eine dunkle wolke, die angemessenes handeln unm├Âglich macht. sie f├╝hrt zu verzweiflung, zynismus oder hoffnung - und das sind alles irrationale zust├Ąnde. angst ist eine bewegung des denkens im bereich der zeit, also ist sie real, nicht fiktiv. meine frage lautet nun: wie kann mein geist, wie kann ich diese so tief verborgene angst aufl├Âsen? kann sie ├╝berhaupt je aufgel├Âst werden? oder ist sie immer da und zeigt sich nur ab und zu, wenn ich in eine krise gerate, etwas unvorhergesehenes geschieht oder wenn ich mit einer herausforderung konfrontiert werde? oder kann sie vollkommen ausgemerzt werden? ich habe bereits erkannt, dass analyse ein prozess der aufspaltung ist. was kann ich als mensch tun, wenn ich die notwendigkeit ganz frei von angst zu sein, begreife? unterst├╝tzt es mich auf hinweise zu warten, die mein unbewusstes mir vielleicht in tr├Ąumen eingibt, oder unterst├╝tzt es mich mir zeit f├╝r eine analyse nehmen? nein. wenn ich all das verwerfe, nicht theoretisch, sondern wirklich verwerfe, weil es sinnlos ist, dann bleibt die frage, was die totalit├Ąt, die gesamte struktur der angst ausmacht. wenn der geist die angst in ihrer gesamtheit anschauen kann, verstehen kann, dann hat das unbewusste nur sehr wenig bedeutung, dann l├Âscht das gr├Â├čere das kleinere aus. kann ich das sehen? ich m├Âchte einen moment innen halten...


...ich stelle mir vor: der verstand hat diesen bildschirm erschaffen, aber der bildschirm ist unabh├Ąngig von diesem verstand, der ihn erschaffen hat, nicht wahr? mein atem wurde nicht vom denken erschaffen, er ist unabh├Ąngig vom denken. angst wird vom denken erzeugt. ist das denken unabh├Ąngig von der angst? ist die angst unabh├Ąngig vom denken, obwohl angst wiederum gedanken erzeugt? wenn angst unabh├Ąngig vom denken ist wie mein atem hier, dann wird diese nicht vom denken erzeugte angst weiter bestehen. wurde sie aber durch das denken erzeugt, wie dieser bildschirm, dann kann ich die gesamte gedankenbewegung als angst wahrnehmen. sagt mir das etwas?

wie nehme ich etwas in seiner gesamtheit wahr? die angst als ganzes, nicht ihre fragmente, die sich in verschiedenen formen der angst zeigen, auch nicht die angst des bewussten und des unbewussten, sondern die angst in ihrer gesamtheit? wie nehme ich mich selbst als ganzes wahr, dieses »ich«, das das denken hervorgebracht hat, das durch das denken isoliert ist, gespalten, das in sich selbst gespalten ist, so dass es glaubt, dieses »ich« existiere unabh├Ąngig vom denken? das »ich« glaubt, es sei unabh├Ąngig vom denken, aber das denken hat das »ich« erschaffen, dieses »ich« mit all seinen bef├╝rchtungen, ├Ąngsten, eitelkeiten, qualen, vergn├╝gungen, hoffnungen. dieses vom denken erschaffene »ich« glaubt, es h├Ątte seine eigene, unabh├Ąngige existenz, wie dieser bildschirm, der von den gedanken erschaffen wurde und doch unabh├Ąngig davon ist. der atem wurde nicht von den gedanken erschaffen und ist daher unabh├Ąngig. das »ich«, das vom denken erschaffen wurde, sagt: »ich bin unabh├Ąngig vom denken!« ist mir das jetzt klar?


wie kann ich also die angst in ihrer gesamtheit sehen? um etwas total oder als ganzes sehen oder vollst├Ąndig h├Âren zu k├Ânnen, sehe ich die notwendigkeit frei sein, frei von vorurteilen, von schlussfolgerungen, frei von dem wunsch, die angst loszuwerden, frei von rationalisierungen der angst, frei von dem wunsch, sie zu kontrollieren. kann der geist von alldem frei sein? andernfalls kann er das ganze nicht sehen. kann ich mir alle meine ├Ąngste - ich bitte mich hier, mir selbst aufmerksam zu folgen -, kann ich meine ├Ąngste ohne jegliche gedankenbewegung anschauen, die ja zeit ist, die angst erzeugt? verstehe ich das? ich habe angst, dass aus mir nichts wird, weil ich dazu erzogen wurde, von der gesellschaft - der summe und frucht meiner auf dem getrennten »ich« basierenden beziehungen - darauf konditioniert wurde, etwas darzustellen, als k├╝nstler, als ingenieur, als arzt, als politiker, was auch immer, »ich« muss jemand sein. und da keimt einer der samen der angst. dann gibt es noch die angst vor unsicherheit - und der verstand kann f├╝r mich offensichtlich nie sicher sein, weil er selbst ein bruchst├╝ck ist. der verstand kann nie das ganze sehen; da er ein bruchst├╝ck ist, kann er auch nur bruchst├╝ckhaft sehen. ich kann die verschiedenen formen der angst beschreiben, und jede ist unaufl├Âsbar, weil sie durch das denken in bruchst├╝cke aufgespalten wird. also frage ich mich: was ist die wurzel der angst? kann ich nicht nur den ganzen baum der angst, sondern auch ihre wurzel sehen?

was, glauben ich, ist die wurzel der angst, sowohl im bewusstsein als auch im unbewussten? wie antworte ich auf eine herausforderung? das leben fordert mich heraus! wie reagieren ich? sehe ich die tiefste ursache dessen, was ich angst nenne? nehmen ich sie wahr? oder warte ich auf jemanden - oder auf mein denkendes »ich«, welcher/s sie mir erkl├Ąrt, und akzeptiere bzw. glaube ich dann diese erkl├Ąrung? und ich sage: »ja, ich sehe es« - was bedeutet, dass ich es nicht wirklich sehe. ich sehe die beschreibung. ist zeit die wurzel der angst und das denken der ursprung der zeit? ist die wurzel der angst unsicherheit, die die psyche instabil werden l├Ąsst, was sich wiederum auf das handeln in der au├čenwelt und daher auf die gesellschaft auswirkt? wenn vollkommene psychische sicherheit da ist, gibt es keine angst. ich frage mich, ob ich das sehe.


aber wo findet der geist vollkommene sicherheit ┬ľ absolute, nicht relative sicherheit? der denkende verstand will sicher sein. das gehirn fordert vollkommene sicherheit, weil es nur dann rational funktionieren kann. also hat es sicherheit im wissen, in der wissenschaft, in beziehungen, in der kirche, in schlussfolgerungen gesucht, aber nie gefunden. wo finde ich sicherheit? ist sie dort drau├čen? oder irgendwo anders? mein eindruck ist, das wir als menscheit, gemeinsam lernen, dass es sinnlos ist, sicherheit in unseren gedanklichen projektionen zu suchen, wie auch immer diese sich ├Ąu├čern m├Âgen. ich m├Âchte herausfinden, wo ich als mensch absolute sicherheit finden kann ┬ľ denn wenn ich diese habe, existiert keine angst mehr, die angst l├Âst sich sowohl auf der physiologischen als auch auf der psychischen ebene vollkommen auf.

mein geist ist aktiv, ein gedanke jagt den anderen. doch zwischen diesen gedankenbewegungen gibt es l├╝cken, eine kleine spanne, eine zeitspanne. und der verstand versucht immer, etwas zu finden, an dem er sich festhalten kann, wo er ruhen kann. doch das denken ruft, da es fragmentarisch ist, absolute unsicherheit hervor. ich frage mich, ob ich das sehe. diese tatsache unterst├╝tzt mich darin vollkommene sicherheit zu finden, wenn ich absolut nichts bin ┬ľ das hei├čt, nichts vom denken erschaffenes. absolut nichts sein ist ein v├Âlliger widerspruch zu allem, was ich gelernt habe, zu allem, was das denken hervorgebracht hat. nichts sein. wenn ich nichts bin, habe ich absolute sicherheit. die unsicherheit entsteht nur durch das werden, das wollen, das w├╝nschen, das streben.

indem ich also sehe, was zeit, abgesehen von der chronologischen zeit, eigentlich ist, n├Ąmlich die bewegung des denkens, indem ich die angst in ihrer gesamtheit als gedankenbewegung erkenne ┬ľ als das streben, eine idee zu verwirklichen, oder als das verweilen in der vergangenheit, in der romantischen, fantastischen, sentimentalen vergangenheit, oder als das verweilen im wissen, welches ebenfalls fragmentarisch ist ┬ľ dann sehe ich, dass mein handeln immer fragmentarisch, nie vollst├Ąndig ist.

handeln bedeutet, im hier und jetzt zu handeln, und das kann, nur geschehen, wenn v├Âllige sicherheit da ist. die vom denken geschaffene sicherheit ist in wirklichkeit keine sicherheit. diese tatsche erweist sich in meinem leben als mensch, als eine absolute wahrheit. und die absolute wahrheit zeigt sich, wenn da nichts ist, wenn ich nichts bin. wei├č ich, was es bedeutet, nichts zu sein? kein ehrgeiz ┬ľ das hei├čt nicht, dass ich vor mir hin vegetiere ┬ľ, keine konkurrenz, keine aggression, kein widerstand, keine aufgrund von verletzungen aufgebauten schutzmauern. ich bin absolut nichts. was geschieht dann mit meinen beziehungen, wenn ich nichts bin? verstehe ich? was bedeutet es dann, mit einem anderen menschen in beziehung zu stehen? habe ich je ├╝ber diese dinge nachgedacht, oder sollte mir all das ┬ľ was tragisch w├Ąre ┬ľ neu sein?

unsere beziehung ist nie stabil, und deshalb ist sie ein st├Ąndiger kampf, eine fortgesetzte trennung; jeder verfolgt seine eigenen ziele, sucht sein eigenes vergn├╝gen, jeder ist isoliert. eine solche beziehung muss, da sie grunds├Ątzlich nicht sicher ist, unweigerlich zu trennung und somit zu konflikten f├╝hren, nicht wahr? g├Ąbe es in dieser beziehung vollkommene sicherheit, dann g├Ąbe es keinen konflikt. aber vielleicht bist du absolut nichts, und ich bin immer noch etwas. was geschieht, wenn du innerlich, psychisch nichts bist, wenn du vollkommene sicherheit hast, weil da nichts ist, aber ich mich immer noch unsicher f├╝hle, k├Ąmpfe, streite, verwirrt bin? welche beziehung besteht dann zwischen dir und mir? deine sicherheit ist nicht eine vom denken erschaffene, nicht die sicherheit des menschen, der sagt: »ich glaube daran« und der seine beziehung auf der basis eines glaubenssystems, einer konditionierung aufbaut, die angst und daher trennung hervorruft. und das passiert st├Ąndig, verstehst du? hier ist es nun ganz anders. du hast verstanden, dass in diesem nichts-sein vollkommene sicherheit liegt. und ich habe es nicht verstanden. was geschieht dann zwischen dir und mir? du bist voller zuneigung, liebe und mitgef├╝hl, die mit dieser unersch├╝tterlichen sicherheit einhergehen, und ich (dein freund, deine frau, dein mann, deine schwester, dein nachbar, dein vater) bin nicht voller liebe. was geschieht nun? was wirst du mit mir anfangen? dich ├╝ber mich lustig machen, mit mir reden, mich tr├Âsten, mir sagen, wie dumm ich doch bin? was wirst du tun?

bitte, ich lade dich ein, es einmal von einer anderen warte zu betrachten. diesen brief lesen etliche menschen im internet, und einige von ihnen haben sehr aufmerksam gelesen, das hoffe ich, haben ihre ganze aufmerksamkeit, sorgfalt und zuneigung hineingegeben, und sie begreifen, dass sie die welt sind und dass die welt sie ist - sie verstehen das nicht nur verbal und in gedanken, sondern sehen diese tiefe wahrheit. sie erkennen das, und sie sehen die ungeheure damit verbundene verantwortung, die verantwortung, sich radikal zu ├Ąndern, weil sie zugeh├Ârt haben, weil sie nicht argumentiert haben. sie sehen die wahrheit; welcher art wird ihre beziehung zur welt also sein, wenn diese fundamentale transformation stattgefunden hat? es ist die gleiche frage, verstehst du? was tust du? wartest du darauf, dass irgendetwas geschieht? wenn du darauf wartest, wird nichts geschehen. aber wenn du diese fundamentale wahrheit, dass du die welt bist und dass die welt du bist, wirklich siehst, und wenn du verstehst, wie au├čerordentlich wichtig und notwendig eine grundlegende transformation in deinem eigenen innern ist, dann beeinflusst du das gesamte bewusstsein der welt - das ist unvermeidlich. und wirst du nicht, wenn du ganz und gar sicher bist - in dem sinne, dem ich hier dar├╝ber geschrieben habe -, wirst du nicht auch mich beeinflussen, mich, der ich unsicher, verzweifelt, abh├Ąngig bin - wirst du mich nicht beeinflussen? nat├╝rlich wirst du das. am wichtigsten ist aber, dass du, der du hier liest, diese wahrheit selbst siehst. dann ist es deine wahrheit, nicht etwas, was dir irgendjemand - d/ein »ich« - gegeben hat.

ein mensch und ein mensch

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dein wille

wir wissen worauf du hinaus wolltest
als du uns dir ├Ąhnlich geschaffen hast
kinder der erde die sterben m├╝ssen
deine t├Âchter und s├Âhne f├Ąhig die liebe zu lernen
schon jetzt mitten im krieg


wir kennen deinen willen gott*
leben in seiner f├╝lle hast du allen versprochen
nicht nur den wei├čen nicht nur den reichen
nicht nur denen die kaffee trinken
auch denen die ihn pflanzen und ernten


wir danken dir f├╝r deine vielen du sollst
mit ihnen fragst du uns
nach unseren geschwistern
den b├Ąumen und den tieren
dem wasser und der luft
nach unserer zeit fragst du
und nach dem was uns wichtig ist


eines tages gott* werden wir alle deine du sollst
verwandeln in ein gro├čes ja ich will
ja wir werden die fremden nicht mehr hassen
und die mauern der trennung einrei├čen
und die gewalt wird nicht mehr wohnen bei uns
wir werden sie nicht f├╝ttern und h├Ątscheln
nicht bezahlen und nicht f├╝r allm├Ąchtig halten
dein wille wird geschehen
auch in unserm land


ein mensch

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mit ganesh und guru per du

[...] um mich nicht v├Âllig ratlos zu entlassen, empfehlen sie mir einen guru. auf den gedanken w├Ąre ich von selbst nicht gekommen, aber warum eigentlich nicht. gu hei├čt dunkelheit, ru hei├čt licht, und wenn einer von der dunkelheit ins licht f├╝hren kann, hat er vielleicht auch eine l├Âsung f├╝r mein problem. au├čerdem gef├Ąllt mir, was sie ├╝ber ihn erz├Ąhlen. er hei├čt ramesh. und er geh├Ârt, obwohl er ein greis ist, zu den neuen gurus, zu denen, die gerade erst in mode kommen. in bollywood, in hollywood, in der hall of farne. man sagt, leonard cohen sei ein sch├╝ler von ihm. fr├╝her, als ramesh noch kein guru war, f├╝hrte er als generaldirektor die bank of india. das ist eine exzellente reputation. sch├Ân ist es, einen erleuchteten zu treffen, noch sch├Âner wird's, wenn der erleuchtete auch rechnen kann. jeden vormittag von neun bis elf stellt er sich in seiner wohnung den fragen der unwissenden. und am n├Ąchsten morgen bin ich bei ihm.

der guru sitzt in seinem schaukelstuhl und schaukelt. er macht das energisch, er gibt richtig gas. er ist sechsundachtzig, klein, d├╝nn und zahnlos. der eingefallene mund mildert die strenge seines c├Ąsarengesichts. seine sch├╝tteren wei├čen haare passen gut zu seiner wei├čen baumwollhose und dem ├╝berlangen, wei├čen indischen hemd. er schaukelt barfu├č. morgenlicht f├Ąllt in den raum, der angenehm temperiert ist. durch die offenen fenster kommt der wind herein und zirkuliert. ein frischer, sauberer wind vom meer. man kann es von hier sehen, wenn man am richtigen fenster steht. acht stockwerke unter uns hupen die stra├čen von bombay. etwa drei├čig leute sind heute beim guru. die wenigsten von ihnen sind inder. sie sitzen auf st├╝hlen, auf dem boden, an der wand. wer eine frage hat, setzt sich direkt vor ihn und bekommt ein mikrofon angesteckt, wie beim fernsehen. der guru tr├Ągt auch eins am hemd. eine videokamera l├Ąuft. die cd kann man mitnehmen.

»wie hei├čt du?« fragt ramesh.
»tim«, sage ich.
»aha, tim. und du kommst aus ... ?«
»deutschland.«
»aha, tim aus deutschland. und was kann ich f├╝r dich tun, tim?«
»ich schreibe reiseb├╝cher.«
»ich verstehe.«
»und jetzt bin ich gerade auf einer weltreise.«
»ich verstehe.«
»und mein problem ist, dass ich mich nicht entscheiden kann, wie es weitergeht. ob ich mit dem zug oder mit dem flieger nach kalkutta will.«

ramesh unterbricht abrupt sein schaukeln und richtet sich ein wenig auf.

»und warum, tim, glaubst du, dass ich dir darauf eine antwort geben kann? bin ich ein reiseb├╝ro?«

alle im raum lachen, den guru selbst sch├╝ttelt es vor heiterkeit, ich lache auch ein bisschen mit, obwohl mir nicht wirklich danach zumute ist.

»nein, ramesh, es geht im grunde nicht um zug oder flugzeug, es geht nicht darum, wof├╝r ich mich nicht entscheiden kann. es geht um das nichtentscheiden-k├Ânnen an sich, als psychologische fehlfunktion oder als schwacher charakterzug oder als geburtsfehler, ich wei├č es nicht. ich wei├č nur, dass ich mich nie entscheiden kann. in der liebe, im beruf, in allem eigentlich, und das bringt extrem viele probleme mit sich. es ist ein fluch in meinem leben.«

»ich verstehe.« ramesh schaukelt wieder. »also, tim, ich denke, dass es so etwas gibt. es gibt menschen, die sich nicht entscheiden k├Ânnen. und wenn das bei dir so ist, tim, dann ist das dein weg. dann ist das so von gott gewollt, oder vom urknall, oder wie immer du die quelle von allem existierenden nennen willst. wei├čt du, was ich an deiner stelle tun w├╝rde, tim?«

ramesh unterbricht wieder sein schaukeln und richtet sich auf. er macht eine handbewegung, die mir bekannt vorkommt.

»wenn ich mich nicht entscheiden k├Ânnte, tim, w├╝rde ich eine m├╝nze werfen. denn niemand kann behaupten, dass menschen, die es mit einer m├╝nze tun, weniger erfolgreich sind als menschen, die sich auf traditionelle weise entscheiden.«

im raum explodiert das lachen aus drei dutzend kehlen. diesmal lache ich nicht halbherzig mit, auch nicht aus vollem herzen. ich lache ├╝berhaupt nicht. ich starre ramesh an und fasse es nicht. er hat mit ein paar s├Ątzen so etwas wie ein wunder vollbracht. es hat dreimal klick gemacht. dreimal schlossen sich gedankenkarawanen zu einem kreis.

ich fange mal mit dem letzten an. wenn irgendein vogel zu mir sagt, dass leute, die m├╝nzen werfen, genauso erfolgreich sind wie jene, die sich rational, emotional und mit der kraft ihres willens entscheiden, dann h├Ârt sich das vielleicht witzig an - aber wenn das die erfahrungen eines ehemaligen bankdirektors sind, bekommt der rat nat├╝rlich gewicht. mehr als jede statistik. auch die logik stimmt. die tatsache, dass ich mich zwischen zwei m├Âglichkeiten nicht entscheiden kann, besagt, dass diese beiden m├Âglichkeiten f├╝r mich gleichwertig sind. dann ist es egal, welche m├Âglichkeit ich w├Ąhle, hauptsache, ich w├Ąhle.

nehmen wir an, zwei frauen, eine blond, eine schwarzhaarig, beide bildsch├Ân, steinreich und rattenscharf, wollen mir ihre liebe, ihren k├Ârper und ihr geld schenken, dann w├Ąre es doch bl├Âd, ich w├╝rde statt einer keine von ihnen nehmen, nur weil ich mich nicht f├╝r eine haarfarbe entscheiden kann. das kann man doch umf├Ąrben.

soviel zu dem, was ramesh ├╝ber m├╝nzen meinte, jetzt zu wichtigerem, jetzt zu dem, was er vorher sagte und was mich gerade wirklich packt und diesen morgen in bombay zu dem entscheidenden morgen meiner letzten zwei jahre macht.

was hat ramesh in einem satz mit drei verschieden begriffen benannt? »dann ist das so von gott gewollt, oder vom urknall, oder wie immer du die quelle von allem existierenden nennen willst.«

eine menge fragen der letzten zwei jahre haben bei diesem satz klick gemacht, und mir wurde etwas zur├╝ckgebracht, das ich verloren hatte. auch in indien. vor zwei jahren kam mir in dem heimatland der spiritualit├Ąt gott abhanden. einfach so. ich wusste pl├Âtzlich nicht mehr, was das soll. die gef├╝hle, die riten, die m├Ąrchen von einem allwissenden und alles durchdringenden wesen, das uns schafft, besch├╝tzt und wieder zu sich nimmt. das man anbeten kann, dem man vertrauen kann, das einen tr├Ągt, das vor allem sinn gibt und das leben erkl├Ąrt so wie das sterben. wenn dieses wesen pl├Âtzlich nicht mehr existiert, dann gibt es alles andere auch nicht mehr. karma, schicksal, deinen weg. dann ist alles zufall, und zufall ist nur ein anderes wort f├╝r das chaos nach dem urknall. und jetzt, »ich versuche, das leid zu akzeptieren. und wenn ich feststelle, dass ich es nicht akzeptieren kann, akzeptiere ich das. alles klar, tim?«

nein, nicht jetzt, sondern gerade eben, sagte dieser kleine, alte, mir h├Âchst sympathische ex-banker, dass urknall dasselbe sei wie gott, und ich verstand sofort, wie er es meinte. dass ich so bin, wie ich bin, habe ich meinen eltern zu verdanken, die von ihren eltern gepr├Ągt worden sind und die von ihren. die kette reicht elend weit zur├╝ck, nicht nur bis zu den wurzeln unseres stammbaums, nicht nur bis zum ersten menschen, ersten s├Ąugetier, ersten einzeller, sie reicht auch weiter zur├╝ck als bis zum geburtsjahr der erde. dass dieser planet so ist, wie er ist, und da ist, wo er ist, an dieser stelle der milchstra├če, an diesem punkt des universums, hat seine ursache in einer bewegung, die vor so langer zeit begann, dass wir sie ewigkeit nennen, obwohl es keine ewigkeit ist, denn irgendwann muss sie angefangen haben.

gott, urknall oder wie immer du die quelle allen seins nennen willst, hatte ramesh eben gesagt, und verstanden habe ich, dass in diesem anfang alles programmiert ist. beim urknall knallen trilliarden mal trilliarden teile und teilchen auseinander, und jedes teil und teilchen hat seine richtung, seine entwicklung, seinen weg, und wenn dann, nicht am ende, aber doch reichlich sp├Ąter, jemand dabei herauskommt, der unf├Ąhig ist, sich zu entscheiden, bin ich doch der letzte, der was daf├╝r kann. und da was machen kann. und wenn ich doch was machen kann, dann nur, weil auch das vorprogrammiert ist (sozusagen als ┬äg├Âttlicher gedanke┬ô). devotional l├Ąsst mich diese erkenntnis im regen stehen: diesen gott kann ich nicht lieben, anbeten und besingen, ich kann ihm nicht mal danken. aber er schenkt mir frieden.

schlagartig verl├Ąsst mich jede art von schlechtem gewissen, minderwertigkeitsgef├╝hl, reue sowie die angst, irgendetwas nicht zu schaffen, was ich eigentlich schaffen k├Ânnte und dann doch nicht hinkriege. das gibt es nicht. ich kann, was ich kann und tue, was ich tun muss, alles andere ist nicht in meiner hand, ist nicht mein programm. so habe ich ramesh eben verstanden, und so meint er es auch.

er spricht gerade wieder dar├╝ber. er sagt, das sch├Ânste, was er in allen religionen gefunden habe und was in allen religionen gleich sei, ist folgender satz, und weil ramesh keine z├Ąhne mehr hat, sehr undeutlich spricht und ich schwerh├Ârig bin, verstehe ich den satz nicht und frage dreimal nach, und als ich ihn auch beim dritten mal nicht verstehe, ruft irgendjemand, der hinter mir sitzt, so laut wie er kann:

»dein wille geschehe!«

»ja«,sagt ramesh, »dein wille geschehe. und das ist es, was tim vergessen hat. und deshalb ist tim ungl├╝cklich.«

er wiederholt dies noch viele male w├Ąhrend der geschlagenen siebzig minuten, die seine antwort auf meine frage w├Ąhrt, er kommt richtig in fahrt, erz├Ąhlt von seinem leben. bis mitte f├╝nfzig etwa habe er versucht, das gl├╝ck zu mehren und das leid zu mindern, ab mitte f├╝nfzig habe er es sein lassen. weil es nicht geht. nicht nur, weil gl├╝ck und leid kommen, wie sie wollen, nein, selbst das gl├╝ck von heute wandelt sich in das leid von morgen und umgekehrt. nachdem er nun weitere drei├čig jahre dar├╝ber nachgedacht und nachgedacht und nachgedacht habe, habe er den trick gefunden, damit umzugehen. und dieser trick sei auch das einzige, was er anzubieten habe, seine botschaft, sein system. wie der trick geht?

»ich versuche, das leid zu akzeptieren. und wenn ich feststelle, dass ich es nicht akzeptieren kann, akzeptiere ich das. alles klar, tim?«

und wie. ich kam mit einer frage und gehe mit mindestens drei antworten. und egal, was ich an diesem tag noch mache und sehe und sage, im taxi, auf der stra├če, im hotel, ich h├Âre dauernd diese drei s├Ątze in mir, wie ein mantra, wie einen ohr-, nein, wie einen gehirn-, nein, wie einen seelenwurm:

1. »dein wille geschehe!«
2. »das ist es, was tim vergessen hat.«
3. »und deshalb ist tim ungl├╝cklich.«

ich h├Âre es nicht wie eine endlosschleife in mir. es gibt pausen, es hat rhythmen, und jedes mal verstehe ich ein bisschen mehr, warum in meinem leben so viel schiefgelaufen ist und schief laufen musste und dass es an diesem morgen wieder zurechtger├╝ckt wird, weil auch das sein muss, und jedes mal entspanne ich ein bisschen mehr. [...]

ein mensch

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der buddha und der wissenschaftler

die physische realit├Ąt ver├Ąndert sich fortw├Ąhrend, in jedem moment. dies erkannte der buddha, indem er sich selbst erforschte. mit extrem konzentriertem geist drang er tief in seine eigene natur ein und entdeckte, da├č die gesamte materielle struktur aus winzigen subatomaren teilchen aufgebaut ist, die fortw├Ąhrend entstehen und vergehen. w├Ąhrend eines schnippens mit dem finger oder der dauer eines augenzwinkerns, so erkl├Ąrte er, entstehen und vergehen diese teilchen viele billionenmal.
»unglaublich«, wird jeder denken, der lediglich die augenscheinliche realit├Ąt des k├Ârpers beobachtet, die so fest, so best├Ąndig erscheint. ich ging fr├╝her immer davon aus, da├č der ausdruck »viele billionenmal« nur ein bild sei, das nicht w├Ârtlich zu nehmen ist, doch die moderne wissenschaft hat diese erkenntnisse inzwischen best├Ątigt.
vor einer reihe von jahren erhielt ein amerikanischer naturwissenschaftler den nobelpreis f├╝r physik. ├╝ber einen langen zeitraum hinweg hatte er sich mit der erforschung der subatomaren teilchen besch├Ąftigt, aus denen das universum aufgebaut ist, und experimente durchgef├╝hrt, um mehr dar├╝ber zu erfahren. es war bereits bekannt, da├č diese teilchen mit gro├čer geschwindigkeit entstehen und vergehen, immer und immer wieder. dieser wissenschaftler entschlo├č sich nun, ein instrument zu entwickeln, das in der lage sein w├╝rde zu messen, wie viele male ein teilchen in einer sekunde entsteht und wieder vergeht. er nannte das ger├Ąt, das er erfand, sehr zu recht eine blasenkammer, und er fand damit heraus, da├č subatomare teilchen in einer sekunde 10 hoch 22 mal entstehen und wieder vergehen.
die wahrheit, die dieser naturwissenschaftler herausfand, ist die gleiche, die der buddha entdeckt hatte, aber was f├╝r ein gro├čer unterschied bestand zwischen diesen beiden menschen! einige meiner amerikanischen sch├╝ler, die kurse in indien besucht hatten, kehrten sp├Ąter in ihr land zur├╝ck und suchten diesen wissenschaftler auf. sie berichteten mir, da├č er trotz seines wissens um die wirklichkeit immer noch ein ganz gew├Âhnlicher mensch war, mit der ├╝blichen anh├Ąufung von elend und leiden, wie sie ├╝berall zu beobachten ist!
nein, dieser wissenschaftler ist nicht zu einem erleuchteten wesen geworden, nicht befreit von allem leiden, denn er hat die wahrheit nicht direkt erfahren. was er gelernt hat, ist nur intellektuelle einsicht. er glaubt an diese wahrheit, weil er gro├čes vertrauen in sein ger├Ąt setzt, aber er hat die wahrheit nicht selbst erfahren.
ich habe nichts gegen diesen mann und ebensowenig gegen die moderne wissenschaft. man darf jedoch nicht nur ein erforschen der ├Ąu├čeren welt bleiben. so wie der buddha sollte man auch ein wissenschaftler und erforschen der welt im innern sein, um die wahrheit direkt zu erfahren. erst die pers├Ânliche erfahrung der wahrheit wird ganz von selbst die gewohnheitsmuster des geistes ver├Ąndern, so da├č man beginnen kann, im einklang mit der wahrheit zu leben. jede handlung wird dann auf das eigene wohl und das wohl anderer ausgerichtet sein. wenn diese innere erfahrung fehlt, kann es leicht geschehen, da├č wissenschaft zu zerst├Ârerischen zielen mi├čbraucht wird. wenn wir jedoch zu erforschern der wirklichkeit im innern werden, werden wir zum wohl aller menschen gebrauch von der wissenschaft machen.

ein mensch

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der verzagte baumwollfaden

es war einmal ein kleiner wei├čer baumwollfaden, der hatte ganz viel angst, dass er so wie er war, zu nichts nutze sei.
ganz verzweifelt dachte er immer wieder: "ich bin nicht gut genug, ich tauge zu nichts. f├╝r einen pullover bin ich viel zu kurz. selbst f├╝r einen winzig kleinen puppenpullover tauge ich nichts! f├╝r ein schiffstau bin ich viel zu schwach. nicht mal ein h├╝pfseil kann ich aus mir machen lassen! mich an andere kr├Ąftige, dicke, lange f├Ąden ankn├╝pfen kann ich nicht, die lachen doch sowieso ├╝ber mich. f├╝r eine stickerei eigne ich mich auch nicht, dazu bin ich zu blass und zu farblos. ja, wenn ich aus goldgarn w├Ąre, dann k├Ânnte ich eine stola verzieren oder ein kleid... aber so?! ich bin zu gar nichts n├╝tze. was kann ich schon? niemand braucht mich. keiner beachtet mich. es mag mich sowieso niemand."
so sprach der kleine wei├če baumwollfaden mit sich - tag f├╝r tag. er zog sich ganz zur├╝ck, h├Ârte sich traurige musik an und weinte viel. er gab sich ganz seinem selbstmitleid hin.
eines tages klopfte seine neue nachbarin an der t├╝r: ein kleines wei├čes kl├╝mpchen wachs. das wachskl├╝mpchen wollte sich bei dem baumwollfaden vorstellen. als es sah, wie traurig der kleine wei├če baumwollfaden war und sich den grund daf├╝r erz├Ąhlen lie├č, sagte es: "lass dich doch nicht so h├Ąngen, du sch├Âner, kleiner, wei├čer baumwollfaden. mir kommt da so eine idee: wir beide sollten uns zusammen tun! f├╝r eine kerze am weihnachtsbaum bin ich zu wenig wachs und du als docht zu klein, doch f├╝r ein teelicht reicht es allemal. es ist doch viel besser, ein kleines licht anzuz├╝nden, als immer nur ├╝ber die dunkelheit zu klagen!"
da war der kleine wei├če baumwollfaden ganz gl├╝cklich und tat sich mit dem kleinen wei├čen kl├╝mpchen wachs zusammen und sagte: "endlich hat mein dasein einen sinn."
wer wei├č, vielleicht gibt es in der welt noch viele kleine wei├če baumwollf├Ąden und viele kleine wei├če wachskl├╝mpchen, die sich zusammentun k├Ânnten, um der welt zu leuchten?!

ein mensch

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das sch├Âne herz

eines tages stand ein junger mann mitten in der stadt und erkl├Ąrte, dass er das sch├Ânste herz im ganzen tal habe. eine gro├če menschenmenge versammelte sich, und sie alle bewunderten sein herz, denn es war perfekt. es gab keinen fleck oder fehler in ihm. ja, sie alle gaben ihm recht, es war wirklich das sch├Ânste herz, was sie je gesehen hatten.

der junge mann war sehr stolz und prahlte laut ├╝ber sein sch├Ânes herz. da tauchte pl├Âtzlich ein alter mann vor der menge auf und sagte: ┬änun, dein herz ist nicht mal ann├Ąhernd so sch├Ân, wie meines.┬ô die menschenmenge und der junge mann schauten das herz des alten mannes an. es schlug kr├Ąftig, aber es war voller narben, es hatte stellen, wo st├╝cke entfernt und durch andere ersetzt worden waren. aber sie passten nicht richtig, und es gab einige ausgefranste ecken. genauer, an einigen stellen waren tiefe furchen, wo ganze teile fehlten.

die leute starrten ihn an: wie kann er behaupten, sein herz sei sch├Âner, dachten sie? der junge mann schaute auf des alten mannes herz, sah dessen zustand und lachte: ┬ädu musst scherzen┬ô, sagte er, ┬ädein herz mit meinem zu vergleichen. meines ist perfekt und deines ist ein durcheinander aus narben und tr├Ąnen.┬ô -┬äja┬ô, sagte der alte mann, ┬ädeines sieht perfekt aus, aber ich w├╝rde niemals mit dir tauschen."

die menge lauschte ernst, als der alte weitersprach: "jede narbe steht f├╝r einen menschen, dem ich meine liebe gegeben habe. ich rei├če ein st├╝ck meines herzens heraus und reiche es meinen mitmenschen und oft geben sie mir ein st├╝ck ihres herzens, das in die leere stelle meines herzens passt. aber weil die st├╝cke nicht genau gleich sind, habe ich einige raue kanten, die ich sehr sch├Ątze, denn sie erinnern mich an die liebe, die wir teilten.

manchmal habe ich auch ein st├╝ck meines herzens gegeben, ohne dass mir der andere ein st├╝ck seines herzens zur├╝ckgegeben hat. das sind die leeren furchen. liebe geben hei├čt manchmal auch ein risiko einzugehen. auch wenn diese furchen schmerzhaft sind, bleiben sie offen und auch sie erinnern mich an die liebe, die ich f├╝r diese menschen empfinde. und ich hoffe, dass sie eines tages zur├╝ckkehren und den platz ausf├╝llen werden. - erkennst du jetzt, was wahre sch├Ânheit ist?┬ô

der junge mann stand still da und tr├Ąnen rannen ├╝ber seine wangen. langsam ging er auf den alten mann zu, griff nach seinem perfekten jungen und sch├Ânen herzen und riss ein st├╝ck heraus. er bot es dem alten mann mit zitternden h├Ąnden an.

der alte mann nahm das angebot an und setzte es in sein herz. dann nahm er ein st├╝ck seines alten vernarbten herzens und f├╝llte damit die wunde im herzen des jungen mannes. es passte nicht perfekt, da es einige ausgefranste r├Ąnder hatte.

der junge mann sah sein herz an, nicht mehr perfekt, aber sch├Âner als je zuvor, denn er sp├╝rte die liebe des alten mannes in sein herz flie├čen. sie umarmten sich herzlich und seite an seite gingen sie weg - und lie├čen betroffen schweigende menschen zur├╝ck.

ein mensch

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communio

dir zuh├Âren
├╝ber deine frage nachdenken
deine antworten wirken lassen
dich zu verstehen versuchen
mitgehen
mich zur├╝cknehmen
deine vorw├╝rfe an mich herankommen lassen
deine bitten ernst nehmen
deine anregungen aufgreifen
dir raum geben
und zeit schenken
mich ber├╝hren
und bewegen lassen


dir erz├Ąhlen
fragen stellen
antworten probieren
mich zu verstehen versuchen
mich begleiten lassen
vorkommen
dich hinterfragen
dich bitten
anregungen geben
mir raum
und zeit nehmen
mich hergeben
und dich teilhaben lassen


miteinander
im gespr├Ąch
in beziehung sein
das leben teilend
suchend und unterst├╝tzend
fragend und bittend
anregend und f├Ârdernd
begleitend und best├Ąrkend
f├╝reinander da sein
uns raum
und zeit geben


sich gegenseitig
ganz herz
und ganz ohr sein


im m├Ânchtum wird in diesem zusammenhang das thema des schwierigen mitmenschen behandelt, der mich auf meine eigenen wunden hinweisen m├Âchte, der mir meine blinden flecken aufdeckt.
hermann hesse meint einmal: "was nicht in uns ist, das regt uns auch nicht auf." wenn wir sehr emotional auf einen menschen reagieren, ist das ein zeichen, dass er uns auf die eigenen schatten hinweist. der andere ist eine wichtige quelle der selbsterkenntnis. ohne die konflikte mit unseren freunden, mit unseren partner, w├╝rden wir nie erkennen, was uns eigentlich bewegt, wo wir uns selbst noch nicht angenommen haben.
unser novizenmeister meinte einmal, gott schicke ihm immer die novizen, die gerade seine schattenseite aufdecken. das gilt auch von den kindern einer familie, die den eltern meistens die seite vorspiegeln, die sie bei sich selbst verdr├Ąngt und nicht zugelassen haben. die fr├╝hen m├Ânche sprechen vom sakrament der schwester. damit meinen sie, dass jeder mensch uns gott vermitteln kann.


zwei menschen

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ein besonderes geschenk

es war einmal eine weise frau, die in den bergen reiste und einen edelstein in einem fluss fand. am n├Ąchsten tag begegnete sie einem reisenden, der sehr hungrig war, und sie ├Âffnete ihre tasche, um ihr essen mit ihm zu teilen. als der hungrige reisende den edelstein sah, fragte er sie, ob sie ihm den stein geben w├╝rde. sie tat es ohne zu z├Âgern.

der reisende reiste weiter und freute sich ├╝ber sein grosses gl├╝ck. er wusste, dass der stein wertvoll genug war, um ihm f├╝r den rest seines lebens sicherheit zu geben.
aber nach nur wenigen tagen kam er zur├╝ck, um der frau den stein zur├╝ckzugeben.

ich habe nachgedacht, sagte er, ich weiss, wie wertvoll der stein ist, aber ich gebe ihn zur├╝ck
in der hoffnung, dass du mir etwas noch wertvolleres geben kannst.

und was w├Ąre das?, sagte die frau.

ich m├Âchte, dass du mir das gibst, was du in dir hast, dass dich bef├Ąhigt hat,

mir den stein zu geben.

ein mensch

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in der u-bahn

ich fuhr an einem sonntagvormittag in der u-bahn. die passagiere sa├čen still da, manchen lasen zeitung, andere waren in gedanken verloren, einige hatten die augen geschlossen und ruhten sich aus. es war eine ruhige, friedliche szene.
dann stieg ein mann mit seinen kindern ein. die kleinen waren laut und ungest├╝m. die ganze stimmung ├Ąnderte sich abrupt. der mann setzte sich neben mich und machte die augen zu. er nahm die situation offenbar ├╝berhaupt nicht zu kenntnis. die kinder schrien herum, warfen sachen hin und her, zerrten sogar an den zeitungen der anderen fahrg├Ąste herum. sie waren sehr st├Ârend. aber der mann neben mir tat gar nichts.
es war schwierig, nicht davon irritiert zu sein. ich konnte nicht fassen, dass er so teilnahmslos war, dass er seine kinder derma├čen herumtoben lie├č und nichts dagegen tat, ├╝berhaupt keine verantwortung ├╝bernahm. mit aus meiner sicht ungew├Âhnlichen geduld und zur├╝ckhaltung sprach ich ihn schlie├člich an:
┬ôihre kinder st├Âren wirklich sehr viele leute hier. k├Ânnten sie nicht vielleicht ihre kinder etwas mehr unter ihre kontrolle bringen?┬ô
der mann hob die augen, also ob er sich zum ersten mal der situation bewusst w├╝rde, und sagte leise:
┬ôoh, sie haben recht. ich sollte etwas dagegen tun. wissen sie, wir kommen gerade aus dem krankenhaus, wo ihre mutter vor einer stunde gestorben ist. ich wei├č ├╝berhaupt nicht, was ich denken soll, und die kinder haben vermutlich auch keine ahnung, wie sie damit umgehen sollen.┬ô

ein mensch

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hinter den dingen

gott spricht zu jedem nur, eh er ihn macht,
dann geht er schweigend mit ihm aus der nacht.
aber die worte, eh jeder beginnt,
diese wolkigen worte sind:

von deinen sinnen hinausgesandt,
geh bis an deiner sehnsucht rand;
gib mir gewand

hinter den dingen wachse als brand,
dass ihre schatten, ausgespannt,
immer mich ganz bedecken.

lass dir alles geschehen; sch├Ânheit und schrecken.
man muss nur gehn: kein gef├╝hl ist das fernste.
lass dich von mir nicht trennen.
nacht ist das land,
das sie das leben nennen.

du wirst es erkennen
an seinem ernste.
gib mir die hand

ein mensch

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der lange marsch

vielleicht haben wir uns das zu einfach gedacht
als wir losgingen damals
auf dem langen marsch durch die w├╝ste
um bessere methoden zu finden f├╝reinander dazusein

o herr haben wir gedacht mach uns zum werkzeug
deines friedens
aber was kam war der l├Ąstige streit mit der beh├Ârde
die ordnung will und nicht frieden
die t├Ągliche m├╝hsal um nichtigkeiten
und das schreckliche alleingelassenwerden
da wurden die werkzeuge des friedens
zu querulanten und l├Ąstigen st├Ârern
der sch├Ânen einstimmigkeit

viele haben es jetzt schon immer gewusst
dass nichts zu machen ist im rahmen kirche
wer kann schon jahrelang von manna leben
und keinen sinn sehen in dem was er tut

viele haben es satt und w├╝nschen sich nach ├Ągypten
wo steuern flossen wie milch und honig
und die kirchen voll waren und die lieder
von allen gekannt fr├Âhlich klangen

wie lange soll der marsch noch dauern
was bedeutet das vierzig jahre
ist es unsere generation die verheizt wird
oder die n├Ąchste noch und wozu
lohnt sich das ziel f├╝r ein ganzes leben
voll m├╝he und konferenzen
kommen wir je heraus aus der erstarrung
immer nur sand und steine und keine menschen
die mit uns an der arbeit bleiben
die uns helfen eindeutig und ├Âffentlich zu sprechen

wenig hilfe von unten selten verstanden zur seite
und von oben der uralte trick
jede frage zur sache als disziplinarfall zu nehmen
um herrschaft zu sichern und ordnung
und die unanst├Ąndige sprache des einfachen volkes
fernzuhalten von allen kanzeln

die w├╝ste durch die wir wandern
voll friedlosigkeit voll angst
voll ohnmacht voll verschleierung

o herr mach uns zum werkzeug deines friedens
werkzeug der konflikte nicht der einstimmigkeit
werkzeug der wahrheit nicht der umschreibenden
verh├╝llung
werkzeug des gl├╝cks nicht der einschl├Ąferung

lasst uns zusehen ob das geht

was wir brauchen f├╝r den frieden
wir wollen das jetzt mit dir besprechen gott
wir brauchen viel mehr freunde
um mehr frieden machen zu k├Ânnen
freunde aus verschiedenen klassen auch solche ohne
thomas mann
freunde aus verschiedenen konfessionen auch solche
mit rosenkr├Ąnzen
freunde aus verschiedenen geschlechtern auch homos
und lesben
freunde mit verschiedenen interessen auch solche die wir
nicht m├Âgen
freunde die miteinander eine vision teilen
vom frieden der herstellbar ist
freunde die glauben

bewahre uns vor dem romantischen irrtum gott
die freundschaft sei ein geschenk und vom himmel
und vor dem konservativen irrtum
sie wachse in langen jahren wie b├Ąume
lehre uns erkennen das sie arbeit ist
und gebaut wird wie alles was gut ist f├╝r uns

wir brauchen freunde die wissen
dass man nicht alles mit ihnen machen kann
die eine stimme haben und mitbestimmen
die solidarit├Ąt ├╝ben mit dem der gema├čregelt wird
die immer angstloser werden
und so den frieden verbreiten




ohne zu l├╝gen

schaffe in mir gott ein neues herz
das alte gehorcht der gewohnheit
schaff mir neue augen
die alten sind verhext vom erfolg
schaff mir neue ohren
die alten registrieren nur ungl├╝ck
und eine neue liebe zu den b├Ąumen
statt der voller trauer
einen neue zunge gib mir
statt der gewaltverseuchten
die ich gut beherrsche
mein herz erstickt an der ohnmacht
aller die deine fremdlinge lieben
schaffe in mir gott ein neues herz
und gib mir einen neuen geist
dass ich dich loben kann
ohne zu l├╝gen
mit tr├Ąnen in den augen
wenns den sein muss
aber ohne zu l├╝gen

ein mensch

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fluchtwege

der gro├če irrtum

unsere rituale sind gl├╝cklicherweise nicht so dumm wie wir. wir glauben f├Ąlschlicherweise, wir feiern mit der hochzeit die macht der liebe. aber wenn es so w├Ąre, dann sollten unsere freunde und verwandte einen gro├čen festlichen kreis um uns bilden und "all you need is love" singen. sie sollten uns mit rosenbl├Ąttern ├╝berh├Ąufen und uns schlie├člich als paar mit langen perlenketten zusammenschn├╝ren. aber so heiraten wir bekanntlich nicht. weil wir auch nicht die verbindende macht der liebe feiern, sondern unser "ja" f├╝reinander. wir feiern eine entscheidung.

eine entscheidung zu f├Ąllen ist das eine. eine entscheidung durchzuhalten das andere. das wissen wir. aber liebe h├Ątten wir dann doch gern als selbstg├Ąnger. obwohl wir ja alle das entschwinden von liebes-gef├╝hlen erlebt haben. der blick in seine augen und pl├Âtzlich groovt nichts mehr. kein warmer, wabernder oder wirbelnder kick mehr. wer glaubt, die liebe bliebe einfach, der wei├č noch sehr wenig.

um eine entscheidung durchzuhalten, m├╝ssen wir die entscheidung immer wieder neu f├Ąllen. jeder, der sein zimmer aufger├Ąumt h├Ąlt, di├Ąt macht oder verst├Ąndnisvoll mit seinen kindern umgeht, versteht das. und auch f├╝r unsere liebe m├╝ssen wir uns immer wieder entscheiden. wenn wir es nicht tun, dann fl├╝chtet die liebe. denn liebe ist keine laue angelegenheit. entweder wir gehen immer wieder auf unseren liebespartner zu und sagen ja. oder wir weichen aus. dann entfernen wir uns und sagen im grunde nein. und befinden uns auf einem der fluchtwege, die aus der liebe herausf├╝hren. auf einem der fluchtwege der liebe.

die kleinen vermeider

um zwei uhr nachts stochert manfred immer noch mit der fernbedienung in den tv-kan├Ąlen herum. dralle blondinen strecken ihm ihre nippel entgegen, raunen: "komm, nimm mich!" und manfred h├Ątte nichts dagegen. denn sex mit sabine ist nicht mehr der kn├╝ller f├╝r manfred. dabei mag manfred sex. und sabine. und sex mit sabine. aber seine liebste hat ihm verraten, dass ihr der sex mit ihm nicht mehr den richtigen kick bringt. er sei irgendwie abwesend, hat sie gesagt. na gut, er hatte viel zu arbeiten. und auf dem laufband war er auch auch schon monatelang nicht. kommt schon wieder, dachte er. aber dann lag er doch verunsichert neben ihr und konnte nicht schlafen. und wollte nicht mit ihr und nicht von ihr weg sein. und irgendwann dann hat er angefangen, l├Ąnger aufzubleiben. und mittlerweile schl├╝pft er jeden abend erst ins bett, wenn sabine l├Ąngst schl├Ąft. und morgens, wenn sie munter wird, ist er noch m├╝rrisch und m├╝de. sabine hat ihn schon oft aufgefordert, mit ihr ins bett zu kommen. aber manfred war dann immer noch nicht m├╝de genug. irgendwann wird sich das schon wieder ├Ąndern, denkt manfred. und die nackte frau vor ihm verspricht, auf ihn zu warten.

wir fl├╝chten aus der n├Ąhe nicht wie aus einem gewittersturm. wir geraten auf die fluchtwege, so wie wir in eine nebenstra├če gelangen, weil wir einem stau ausweichen wollen. wir f├╝hlen uns gekr├Ąnkt und ziehen uns ein wenig zur├╝ck. wir sprechen nicht dar├╝ber, weil wir die harmonie erhalten wollen. wir beginnen, aneinander vorbeizuschauen. wir lesen beim gemeinsamen essen in der zeitung. verkriechen uns im bett mit krimis, statt noch miteinander zu sein. wir glauben uns auf einem rettungsweg, aber tats├Ąchlich sind wir auf der flucht, weil wir aufeinander w├╝tend, voneinander entt├Ąuscht oder ├Ąngstlich sind. unsere gef├╝hle aber bedrohen uns unbewu├čt, denn sie machen uns hilflos. also weichen wir aus. wir vermeiden intimit├Ąt und n├Ąhe zum partner oder schaffen uns situationen, in denen wir unserem unbehagen entgehen k├Ânnen.

zuerst sind es die kleinen vermeider. sie h├Ąngt den ganzen abend mit ihren freundinnen am telefon. er kommt immer zu sp├Ąt zum essen. sie ist oft m├╝de und ersch├Âpft und muss sich hinlegen. er l├Ąsst das handy f├╝r kundenanrufe immer an. sie reagiert nur noch fl├╝chtig auf seine ber├╝hrungen. er hat keine lust mehr auf den gemeinsamen tanzkurs. je unerf├╝llender die allt├Ąglichen begegnungen und je leerer die die verbindenen rituale durch unser ausweichen werden, desto attraktiver werden die versteigerungen bei ebay und die squash-abende. wir weichen nicht einfach ins nichts aus, sondern in die emotional weniger fordernden, leichter zu kontrollierenden bereiche unserers lebens.


die flucht in den alltag

im job liegt immer viel arbeit an. und der garten, die wohnung, das haus m├╝ssen immer gepflegt werden. und genauso ist es mit kindern, sport, freunden, shoppen, musik, masturbieren, computerspielen oder ehren├Ąmtern. kinder brauchen viel aufmerksamkeit. sport ist gesund. freunde sind wichtig. shoppen ist notwendig. masturbieren macht spa├č. computerspiele entspannen. ehren├Ąmter befriedigen. nichts davon ist notwendigerweise ein fluchtweg. aber alles kann zum fluchtweg werden.

jeden abend das gleiche ritual. jacke ablegen. k├╝sschen f├╝r die liebste. post geguckt und dann den startbutton am pc gedr├╝ckt. und w├Ąhrend er nur noch m├╝de "na?" murmelt, wenn er ihre wange ber├╝hrt, ├╝berf├Ąllt ihn angesichts neuer e-mails und virtueller abenteuer ein lebendiges prickeln. der computer ist l├Ąngst sein bester freund. die virtuelle welt ist der fluchtweg, auf dem er allabendlich verschwindet. unerreichbar f├╝r seine partnerin. statt date mit der liebsten, updates von bill gates.
sie wird es bemerken. sie wird versuchen den fluchtweg zu blockieren. "immer h├Ąngst du vor dem computer", wird sie sagen, wenn sie schlecht kommuniziert, oder: "wir verbringen immer weniger zeit miteinander, das vermisse ich", wenn sie gut kommuniziert. die antworten kennt jeder: "du ├╝bertreibst mal wieder. ich h├Ąnge gar nicht immer vor dem pc", wird er sagen, wenn er schlecht kommuniziert, und: "ja, das finde ich auch schade, aber es bringt eben voll bock", wenn er gut kommuniziert.

"wovor fliehst du eigentlich?", k├Ânnte sie ihn fragen oder besser, "wovor fliehen wir eigentlich?", wenn sie verstanden hat, dass in einer partnerschaft die rollen aufgeteilt werden. in einen fl├╝chtenden, der in der partnerschaft f├╝r freiheit und ungebundenheit eintritt. und in einen eher klammernden, der in der beziehung f├╝r die verbundenheit und ann├Ąherung zust├Ąndig ist. wenn sie am wochenende mrs. proper spielt und die kostbare gemeinsame zeit mit staubsauger-orgien f├╝llt oder er jeden abend endlos den kindern vorliest. dann sind stets beide vor der n├Ąhe sicher, in der sich der zustand ihrer liebesbeziehung zeigen w├╝rde.

wir wissen ganz genau, wann wir uns verdr├╝cken und wann wir wirklich uns wichtigen aktivit├Ąten nachgehen. und auch, wann wir uns in f├╝r uns wichtige aktivit├Ąten verdr├╝cken. werden paare in der therapie gefragt, wie sie intimit├Ąt vermeiden und wohin sie vor der n├Ąhe fl├╝chten, dann wissen sie es meistens ganz genau. nicht nur von sich selbst, auch vom partner.
wenn sie sich jetzt fragen: "wie vermeide ich eigentlich n├Ąhe in der partnerschaft?", dann werden sie es also mit ziemlicher sicherheit wissen. falls sie aber doch v├Âllig im beziehungsnebel stehen, dann fragen sie einfach ihren partner: "he, schatz, wie vermeide ich, mehr zeit mit dir zu verbringen?"

die zerst├Ârerischen fluchtwege

wie ein netz von wasserwegen m├╝nden die kleinen fluchten in die "big four" der fluchtwege: l├╝gen, trennungsdrohungen, drogen und aff├Ąren. sie haben eine gemeinsamkeit: die macht, eine beziehung zu zerst├Âren.
jan und lola waren schnell verliebt, schnell schwanger und schnell zusammengezogen. alles f├╝hlte sich gro├čartig an. nur das lola von der farbe der gardinen bis zu den vorleseb├╝chern der kinder und dem verhalten von jan ├╝beraus exakte vorstellung dar├╝ber hatte. und jan dummerweise keinerlei vorstellung dar├╝ber hatte, wie man w├╝nschen einer partnerin begegnet, wenn man selbst andere hat. er war genervt, begann sich eingeengt und ├╝berfl├╝ssig zu f├╝hlen, und genoss es umso mehr, mit seinen freunden um die h├Ąuser zu ziehen. wenn er dann sp├Ątnachts betrunken auftauchte, war lola stinksauer und drohte mit trennung. jan f├╝hlte sich schuldig, ├Ąngstlich und strengte sich noch mehr an, lolas w├╝nsche zu erf├╝llen. gleichzeitig f├╝hlte er sich immer fremdbestimmter, unzufriedener. so zerrissen, fand er eine alte l├Âsung aus seiner kindheit. der ├╝bergro├čen kontrolle seines vaters hatte er sich auch nicht anders erwehren k├Ânnen. jan begann zu l├╝gen. erst verbog er die wahrheit nur ein wenig. er h├Ątte nicht eher zu hause sein k├Ânnen, weil der bericht noch rausmusste. er habe den termin nicht vergessen, aber sein handy sei abgest├╝rzt. mit jeder l├╝ge f├╝hlte jan sich schlechter, schuldiger. mit jeder l├╝ge wuchs der druck und wurde es schwieriger, zur wahrheit zur├╝ckzufinden. irgendwann flog alles auf. mit der aff├Ąre, die dazu gekommen war, als ohnehin schon nichts mehr stimmte. lola nahm das baby und einen koffer unter den arm und war innerhalb einer stunde verschwunden.

l├╝gen zerst├Âren die innere basis einer beziehung. das vertrauen. und damit die sicherheit, die offenheit und intimit├Ąt erst erm├Âglicht. da kann der l├╝gende noch so viele gute seiten haben, noch so liebevoll sein. die l├╝ge schwebt wie eine ungesicherte lawinenwand ├╝ber der parnerschaft. der seitensprung, die schulden, der verschwiegene blick ins tagebuch m├Âgen f├╝r sich sogar verzeihbar sein. die l├╝ge ist nicht das problem. sie ist, einmal aufgedeckt, schon geschichte. die m├Âglichkeit der l├╝ge ist es, die eine beziehung zerst├Ârt. wenn alles l├╝ge sein kann, dann kann alles, was ich denke, f├╝hle, tue und worauf ich mich verlasse, eine illusion sein.
jede beziehung braucht einen festen rahmen, einen verl├Ąsslichen spielraum: ich brauche unbedingte ehrlichkeit, um mich mit dir auseinandersetzen zu k├Ânnen. und ich brauche die sicherheit, dass du dich unserer auseinandersetzung stellst. und ich dabei nicht damit rechnen muss, dass du dich trennst.


trennungsdrohungen belasten eine beziehung auf ├Ąhnliche weise wie l├╝gen. wenn jeder schritt, jede ├Ąu├čerung, das ende der beziehung bedeuten kann, geht die sicherheit verloren. der partner wird zum beziehungsschleicher, der es nicht mehr wagt, fest aufzutreten und seine ohnm├Ąchtige wut zu ├Ąu├čern. der ├╝ber ihm schwebende trennungshammer treibt ihn geradezu aus der partnerschaft heraus.
die m├Âglichkeit einer trennung begleitet jede partnerschaft von der ersten bis zur letzten minute. deshalb versichern wir uns einander. wir sprechen von ewigkeit und untrennbarkeit. wir best├Ątigen den partner in seiner einzigartigkeit, seinen nicht austauschbaren qualit├Ąten, um ihm sicherheit zu geben und um selbst nicht st├Ąndig um unsere liebe zu bangen.
wer st├Ąndig mit trennung droht, vernichtet diese sicherheit. er konfrontiert seinen partner mit einer radikalen form von liebesentzug. wie eine mutter, die ihrem kind angst macht, dass es wieder an den klapperstorch zur├╝ckgegeben wird, wenn es unartig ist.
mit trennung zu drohen ist jedoch nur dann ein akzeptables mittel der auseinandersetzung, wenn damit eine trennung verhindert werden kann. um den letzten versuch in einer paartherapie zu starten. oder um einen ebenso zerst├Ârerischen fluchtweg zu schlie├čen. wie zum beispiel eine aff├Ąre oder drogenkonsum.


im grunde haben die beiden es gut. fast jeden abend sitzen die beiden zusammen und lassen den tag im gespr├Ąch an sich vorbeiziehen. jeder paarberater w├Ąre begeistert. doch sie sind nie allein. immer steht freund rotwein auf dem tisch. "er hilft mir, mich zu entspannen. ich trinke doch nie viel", sagt er. und sie ist sich unsicher, ob ihr ├Ąrger berechtigt ist. zwei glas wein machen schlie├člich noch niemanden zum alkoholiker. oder? eigentlich ist ja nichts dabei. und doch irritiert es sie. es f├Ąllt ihr schwer ihren standpunkt zu begr├╝nden, ihr empfinden ernst zu nehmen und sich nicht kleinlich vorzukommen. muss nicht jeder selbst entscheiden d├╝rfen? steht es ihr zu sich einzumischen? ist er nicht immer noch n├╝chtern? aber wieso trinkt er dann st├Ąndig? erst merkt sie es nicht, aber sie redet immer weniger ├╝ber sich.

in jedem paar bei dem drogenkonsum eine rolle spielt, wird mit gro├čer vehemenz und unerbittlichkeit um den drogenkonsum gerungen werden. denn wer trinkt, kifft oder kokst, hat eine daueraff├Ąre mit einem stoff, gegen den kein partner der welt eine chance hat. und immer lebt der partner sowohl mit dem n├╝chternen geliebten als auch dem unter dem einfluss eines suchtmittels. und mit der unberechenbarkeit, die daraus resultiert. geht stefan wieder auf den balkon und zieht erstmal eine t├╝te gras durch, bevor er ins bett kommt? und hei├čt das, dass er nur noch stoned mit mir schlafen mag? schenkt sich rita immer erst einen doppelten ein, bevor wir sprechen, weil sie sonst auseinandersetzungen gar nicht ertr├Ągt? und wie viel wert sind ihre zusagen und ihr verst├Ąndnis dann noch? st├╝rzt peter doch wieder ab, wenn er mit seinen kumpels loszieht? und hat mit seinem voll gekoksten hirn grandios anmutenden sex auf der herrentoilette? und werden die stefans, ritas und peters dieser welt nicht gerade dann zu ihren chemischen geliebten greifen, wenn es mit den menschlichen schwierig wird? doch, werden sie. und wer das als partner leugnet, der sitzt tief in der falle der co-, der mitabh├Ąngigkeit.
drogen geh├Âren zum leben. und nur spa├čbremsen werden die stoffe gegen den beschwerlichen grauschleier des gew├Âhnlichen lebens vollst├Ąndig verbannen wollen. deshalb wird in partnerschaften meistens verzweifelt darum gerungen, ob der trinkende partner schon als s├╝chtig zu gelten hat oder nicht. einen m├╝├čige diskussion. s├╝chtige leugnen immer, und selbst experten ziehen unterschiedliche grenzen. aber wenn mein partner mit 200km/h ├╝ber die autobahn heizt und ich angst habe und mich unwohl f├╝hle, dann will ich auch nicht diskutieren, ob eventuell eine geschwindigkeitssucht bei ihm vorliegt. dann habe ich ein recht darauf, dass er den fu├č vom gaspedal nimmt. wir sitzen im selben auto. und in der partnerschaft sind wir genauso voneinander abh├Ąngig.
es gibt nur eine l├Âsung. den eigenen fluchtweg, selber schlie├čen. den konsum so einzuschr├Ąnken, dass das vertrauen wieder hergestellt ist, dass der partner mit dem drogenkonsum entspannt und angstfrei leben kann. entscheidend ist, dass der fluchtweg droge die parnerschaft nicht bedroht.


bleibt der vierte zerst├Ârerische fluchtweg. bleibt die aff├Ąre. es gibt keine biologische bremse, die verhindert, dass wir ├╝berall und jederzeit sex haben k├Ânnen. es gibt keine sicherheit dagegen, dass wir uns verlieben. gelegenheit macht liebe. der nette kollege, die neue assistentin, die freundin unseres besten freundes. in n├Ąhe und vertrautheit w├Ąchst die verbundenheit, findet die sehnsuchtsvolle erotik ihr ziel. wie m├╝hevoll kann eine beziehung sein. wie verlockend einfach die n├Ąhe einer unverbrauchtem beziehung, die entdeckungsreise hin zu einer noch unbekannten person. verspricht er nicht alles, woran es uns mangelt? der fluchtweg aff├Ąre steht weit offen. und wenn wir ihn erstmal beschreiten, gehen wir leicht verloren. einmal verliebt, gibt es hormone satt, werden wir zu junkies, abh├Ąngigkeit der verliebtheit. und haben schlechte chancen, wieder zu unserem partner zur├╝ckzufinden.
mit begeisterung st├╝rzen wir uns auf jede neue einsicht ├╝ber die erotische software unter unserer sch├Ądeldecke. aber ob wir nun genetisch eher mit den treuen gorillas oder den jeden bespringenden kleinschimpansen verwandt sind, ob eifersucht angeboren ist oder beziehung auch ohne sex befriedigend sein k├Ânnen, es bringt uns nicht weiter. denn es ├Ąndert alles nichts an der entscheidend tatsache: wir k├Ânnen fremdgehen. oder wir k├Ânnen es lassen. nur unsere entscheidung sichert die partnerschaft.


eine partnerschaft hat erst wieder eine chance, wenn die l├╝gen abgeschafft, die trennungsdrohungen ausgesetzt, die aff├Ąre beendet und die drogen ├╝berwunden sind. diese zerst├Ârerischen fluchtwege m├╝ssen erst geschlossen werden, bevor eine beziehung wieder heilen kann.
aber halt, einen moment bitte! sind wir demnach nicht dauernd auf der flucht? behaupten wir mit dieser sichtweise nicht etwas, das wir vielleicht am allerwenigsten mit dem wort "liebe" verbinden: das liebe letztlich nur eine entsetzlich m├╝hsame arbeit ist? und eiserne singles demnach die einzig intelligenten lebewesen auf unserem planeten w├Ąren? weil sie es offenbar verstehen, immer einen fluchtweg zu finden, um sich vor der schwei├čtreibenden beziehungsarbeit in den steinbr├╝chen der liebe zu dr├╝cken.
doch nat├╝rlich k├Ânnen wir liebe nicht schaffen, so wie wir pflanzen nicht wachsen lassen k├Ânnen.wir k├Ânnen nur die bedingungen schaffen, in der sie m├Âglichst gut gedeihen kann. wir k├Ânnen mit unserer liebe achtsam und unachtsam umgehen. wir k├Ânnen unsere parnerschaft mit fluchtwegen durchl├Âchern wie termiten das fundament eines hauses. so dass der n├Ąchste sturm des lebens unsere liebe f├╝r immer einst├╝rzen l├Ąsst. oder wir k├Ânnen die grundlage unserer liebe stabil und am leben halten. dann kann die liebe l├Ąnger bleiben. und immer wieder zur├╝ckkehren.

ein mensch

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liebe und gleichheit

die armut, die so oft so viel elend verursacht, ist auch die quelle, aus der wir die erkenntnis der gerechtigkeit und das verst├Ąndnis f├╝r das leben gewinnen. wenn du dir dessen bewusst w├Ąrest, mein armer freund, w├╝rdest du mit deinem geschick zufrieden sein.
ich spreche von der kenntnis der gerechtigkeit; denn der reiche ist zu sehr damit besch├Ąftigt, besitztum anzuh├Ąufen, als dass er diese kenntnis erwerben k├Ânnte.
und ich spreche vom verstehen des lebens; denn der starke eifert zu sehr nach macht und ruhm, als dass er dem geraden pfad der wahrheit folgen k├Ânnte.
freue dich also, mein armer freund, denn du bist das sprachrohr der gerechtigkeit und das buch des lebens. sei zufrieden, denn du bist die quelle der tugend f├╝r diejenigen, welche ├╝ber dich herrschen, und der st├╝tzpfeiler der redlichkeit f├╝r jene, die dich f├╝hren.
wenn du sehen k├Ânntest, mein betr├╝bter freund, dass das ungl├╝ck, welches dir im leben widerf├Ąhrt, die gleiche kraft ist, die dein herz erleuchtet und deine seele aus den niederungen des spottes zum thron der wertsch├Ątzung emporhebt, w├╝rdest du dein schicksal annehmen und es als ein verm├Ąchtnis betrachten, das dich bildet und weise macht.
denn das leben ist eine kette mit vielen verschiedenen gliedern. die trauer ist ein goldenes verbindungsst├╝ck der ergebenheit dem heute gegen├╝ber und der verhei├čenen hoffnung auf k├╝nftiges. sie ist die morgend├Ąmmerung zwischen dem schlummern und dem erwachen.

mein armer freund, bed├╝rftigkeit ist der nachweis f├╝r einen edlen geist, w├Ąhrend reichtum die s├╝nde f├Ârdert. g├Ąbe es weder trauer noch armut, gliche die seele des menschen einer schreibtafel, auf der nur die zeichen der selbstsucht und des neids zu finden w├Ąren.
bedenke, dass die g├Âttlichkeit das wahre selbst des menschen ist. sie kann nicht f├╝r gold erkauft werden; man kann sie auch nicht anh├Ąufen wie die reicht├╝mer der heutigen welt. der reiche hat seine g├Âttlichkeit abgelegt und klammert sich an sein gold. und die jugend hat die g├Âttlichkeit vergessen und folgt der selbstverwirklichung und den vergn├╝gungen.
mein geliebter armer freund, die stunde, welche du mit deinem weib und deinen kindern verbringst, wenn du vom feld nach hause kommst, ist das unterpfand aller k├╝nftigen menschlichen familien; sie ist das zeichen des gl├╝cks, welches das los aller kommenden generationen sein wird.
das leben, das der reiche mit dem anh├Ąufen von geld verbringt, gleicht in wahrheit dem leben der w├╝rmer im grab. es ist ein zeichen der furcht.
die tr├Ąnen, die du vergossen hast , mein trauriger freund, sind reiner als das lachen dessen, der zu vergessen sucht, und s├╝├čer als der spott des zynikers.
diese tr├Ąnen befreien die seele vom gifthauch des hasses und lehren den menschen, die not desjenigen zu teilen, dessen herz gebrochen ist. es sind die tr├Ąnen des nazareners.
die st├Ąrke der reichen, deren grundstein du gelegt hast, wird in ferner zukunft dir zu eigen sein, denn nach der f├╝gung der natur kehrt alles zu seinem ursprung zur├╝ck. so wird sich auch deine trauer gem├Ą├č himmlischer gesetze in freude kehren.

die bedeutung von liebe und gleichheit werden auch die kommenden geschlechter nur durch armut und trauer kennenlernen.

ein mensch

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schalten sie ihre taschenlampe aus

mein hauptmotiv, physik zu studieren, hatte damit zu tun, dass ich mich eigentlich f├╝r die philosophie entschlossen hatte. ich wollte erkennen, was die welt im innersten zusammenh├Ąlt. und dann landet man bei der atomphysik oder bei den noch kleineren einheiten der atome, bei den atomkernen oder den elementarteilchen. [...]

bei werner heisenberg wurde ich wissenschaftler, fasziniert wie alle von der neuen physik, aber auch von der art und weise, wie heisenberg die physik betrieben hat. er sagte immer: wissenschaft wird von menschen gemacht. und das wesen der wissenschaft ist der dialog, immer wieder der dialog. da passiert das wesentliche und nicht nur beim studium der b├╝cher. ich habe dann mit ihm ├╝ber die fundamentale dynamik der materie arbeiten geschrieben - eine ganz aufregende zeit.

aber das wesentliche war, dass ich bei heisenberg sehr viel gelernt habe und wirklich einblick in die tiefen hintergr├╝nde der neuen physik erhielt. diese physik war nicht einfach nur ein neues paradigma, sie hat eine ganz andere grundstruktur, die sich nur schwer mit der sprache erkl├Ąren l├Ąsst, die wir uns in unserer lebenswelt angeeignet haben. sie hat eine ganz andere struktur, keine ontologische struktur. im hintergrund dieser wirklichkeit gibt es nichts, was wirklich existiert, sondern es gibt nur die bewegung. es gibt nichts, was existiert, sondern es sind lediglich operatoren da, also ausdr├╝cke f├╝r die metamorphose, die bewegung. es gibt nur verbundenheit. aber worte dr├╝cken das nur unvollkommen aus. verbundenheit, da fragt man sofort, was ist womit verbunden. diese problematik hat mich zur frage gef├╝hrt, wie eigentlich diese neue sichtweise mit anderen vorstellungen in der geschichte der wissenschaft zusammenh├Ąngt.

im prinzip ist das meiste dessen, was heute in unserem denken eine rolle spielt, fr├╝her irgendwann schon einmal aufgetaucht. aber doch auf eine spezifisch andere art. meist - ich will das mal so ausdr├╝cken - hat jemand einen zipfel der wahrheit erwischt und ist dann der versuchung erlegen, die erkl├Ąrung zu verabsolutieren und ist damit ins abseits geraten, weil eine solche verabsolutierung eben nicht funktioniert. dann ist ein anderer aufgetreten und hat gesagt, dieses und jenes fehlt doch, und hat versucht, es in ein anderes korsett hineinzustopfen, was immer misslingt.

ich habe den eindruck, dass vielleicht der wesentliche unterschied zu den alten vorstellungen in dem besteht, was wir aus der modernen physik gelernt haben: dass wir vor widerspr├╝chen keine angst haben sollen und nicht versuchen sollen, diese widerspr├╝che auf einer gewissen ebene sozusagen loszuwerden. es muss auf eine art geschehen, bei der man eigentlich auf eine neue ebene gehen muss, so dass diese widerspr├╝che nicht in dem eigentlichen sinne auftreten, sondern sich in dieser anderen form dann auf gewisse weise aufl├Âsen, aber auf eine art und weise, die nicht so einfach nachzuvollziehen ist.

heisenberg hat das mal in seinem buch "der teil und das ganze" ausgedr├╝ckt. er sagte, die moderne physik, die quantenphysik, die ist ein wunderbares beispiel daf├╝r, wie man etwas mit aller klarheit verstanden haben kann. und mit dieser klarheit meinte er, dass wir als physiker ja immer noch die sprache der mathematik haben, mit der wir dinge sehr klar ausdr├╝cken k├Ânnen. viele, die nicht gen├╝gend von der mathematik verstehen, haben leicht den eindruck, sie habe mit rechnen zu tun. aber die mathematik ist letztlich eine sprache, die keine aussagen ├╝ber das trifft, was ist. ihre aussagen betreffen das wie, nicht das was. deshalb ist sie ideal geeignet f├╝r eine betrachtungsweise, in der das was, die materie, verschwindet und es lediglich auf die beziehungsstrukturen ankommt. und heisenberg sagt weiter: von den resultaten kann man nur in form von gleichnissen und bildern sprechen. die alltagssprache besitzt nicht die genauigkeit. das hei├čt, f├╝r mich ist die moderne physik ein denkbeispiel, wie wir diese schwierigkeit aufl├Âsen k├Ânnen, wenn widerspr├╝che auftreten. [...]

mir kommt es manchmal vor, als ob wir durch die nacht laufen und angst haben, weil es so dunkel ist. wir glauben, aus der dunkelheit kommt etwas auf uns zu, das uns gef├Ąhrlich werden kann. und dann kommen wir auf die idee, uns eine taschenlampe zuzulegen, weil wir glauben, je heller das licht der taschenlampe ist, umso weniger angst m├╝ssen wir haben. und es passiert genau das umgekehrte: wenn sie mit der taschenlampe durch die nacht gehen, haben sie noch mehr angst, denn das, was au├čerhalb des scheinwerfers liegt, ist noch viel schw├Ąrzer als vorher. wenn sie angst haben, schalten sie ihre taschenlampe aus, dann sehen sie ein bisschen weniger, aber sie k├Ânnen die ganze welt sehen, die um sie herum ist! das bild ist in dem sinne gemeint, dass wir annehmen, dass die wirklichkeit so ist, dass sie f├╝r uns wissbar ist, dass das, was wir wissen nennen, auf die wirklichkeit anwendbar ist. aber das ist nicht der fall. es ist nur f├╝r einen gewissen teil anwendbar. die wirklichkeit ist viel gr├Â├čer. warum soll sie sich k├╝mmern darum, so beschaffen zu sein, dass wir sie verstehen, sie begreifen k├Ânnen. aber weil wir teil der wirklichkeit sind, haben wir trotzdem zugang auch zu dieser wirklichkeit.

ein mensch

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...eine frau l├Ąuft ├╝ber wasser,

rennend

...au├čer atem,

schmerzverzerrtes gesicht

rennen

rhythmus

eilende schritte

gleich

schnaufenden alten dampftriebwagen

schemenhaft

konturen,

...verzerrt von geschwindigkeit


rennen


...eine frau rennt nach leben,

zarte tiefe kl├Ąnge

gleich

der tiefe und den sanften wiegenden wellen

meeresoberfl├Ąche

durchflie├čen den harten takt h├Ąmmernder schritte

gleich

fr├╝hlingsbl├Ąttern in der abendlichen brise

schwingt

in ihrem innersten ...erinnerung,

welche keine ist,

mit diesem klang

zu einer melodie,


...eine frau l├Ąuft ├╝ber meer


sie ...h├Ârt auf zu rennen...

und

bleibt stehen,

stehen bleiben

ungeachtet

des pochens

der weiteren schritte ...in ihrem inneren


und


bleibt

stehen,

eine frau steht auf meer,



und steht still.



ein mensch

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gedichte

ICH lebe mein leben in wachsenden ringen,
die sich ├╝ber die dinge ziehn.
ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

ich kreise um gott, um den uralten turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich wei├č noch nicht: bin ich ein falke, ein sturm
oder ein gro├čer gesang.

ICH habe viele br├╝der in sutanen
im s├╝den, wo in kl├Âster lorbeer steht.
ich wei├č, wie menschlich sie madonnen planen,
und tr├Ąume oft von jungen tizianen,
durch die der gott in gluten geht.

doch wie ich mich auch in mich selber neige:
mein gott ist dunkel und wie ein gewebe
von hundert wurzeln, welche schweigsam trinken.
nur, dass ich mich aus seiner w├Ąrme hebe,
mehr wei├č ich nicht, weil alle meine zweige
tief unten ruhn und nur im winde winken.

wir d├╝rfen dich nicht eigenm├Ąchtig malen,
du d├Ąmmernde, aus der der morgen stieg.
wir holen aus den alten farbenschalen
die gleichen striche und die gleichen strahlen,
mit denen dich der heilige verschwieg.

wir bauen bilder vor dir auf wie w├Ąnde;
so dass schon tausend mauern um dich stehn.
denn dich verh├╝llen unsre frommen h├Ąnde
sooft dich unsre herzen offen sehn.

MEIN leben ist nicht diese steile stunde,
darin du mich so eilen siehst.
ich bin ein baum vor meinem hintergrunde,
ich bin nur einer meiner vielen munde
und jener, welcher sich am fr├╝hsten schlie├čt.

ich bin die ruhe zwischen zweien t├Ânen,
die sich nur schlecht aneinander gew├Âhnen:
denn der ton tod will sich erh├Âhn -

aber im dunklen intervall vers├Âhnen
sich beide zitternd.

und das lied bleibt sch├Ân.

ICH finde dich in allen diesen dingen,
denen ich gut und wie ein bruder bin;
als samen sonnst du dich in den geringen
und in den gro├čen giebst du gro├č dich hin.

das ist das wundersame spiel der kr├Ąfte,
dass sie so dienend durch die dinge gehen:
in wurzeln wachsend, schwindend in die sch├Ąfte
und in wipfeln wie ein auferstehn.

ICH liebe dich, du sanftestes gesetz,
an dem wir reifen, da wir mit ihm rangen;
du gro├čes heimweh, das wir nicht bezwangen,
du wald, aus dem wir nie hinausgegangen,
du lied, das wir mit jedem schweigen sangen,
du dunkles netz,
darin sich fl├╝chtend die gef├╝hle fangen.

du hast dich so unendlich gro├č begonnen
an jenem tage, da du uns begannst, -
und wir sind so gereift in deinen sonnen,
so breit geworden und so tief gepflanzt,
dass du in menschen, engeln und madonnen
dich ruhend jetzt vollenden kannst.

la├č deine hand am hang der himmel ruhn
und dulde stumm, was wir dir dunkel tun.

WERKLEUTE sind wir: knappen, j├╝nger, meister,
und bauen dich, du hohes mittelschiff.
und manchmal kommt ein ernster hergereister,
geht wie ein glanz durch unsre hundert geister
und zeigt uns zitternd einen neuen griff.

wir steigen in die wiegenden ger├╝ste,
in unsern h├Ąnden h├Ąngt der hammer schwer,
bis eine stunde uns die stirnen k├╝sste,
die strahlend und als ob sie Alles w├╝sste
von dir kommt, wie der wind vom meer.

dann ist ein hallen von dem vielen h├Ąmmern
und durch die berge geht es sto├č um sto├č.
erst wenn es dunkelt lassen wir dich los:
und deine kommenden konturen h├Ąmmern.

gott du bist gro├č.


ein mensch

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bei der gestapo

27. februar, freitag morgen 10 uhr.
[...] am mittwochmorgen in aller fr├╝he standen wir in einer gro├čen gruppe im lokal der gestapo, die lebensumst├Ąnde waren in diesem augenblick f├╝r alle von uns dieselben. wir waren alle im selben raum, die m├Ąnner hinter dem pult ebenso wie die befragten. aber das leben eines jeden war durch die art bestimmt, wie er sich innerlich dazu stellte. am meisten fiel ein hin- und herlaufender junger mann mit unzufriedenem gesicht auf, er verbarg seine unzufriedenheit keineswegs und wirkte aufgeregt und gequ├Ąlt. er suchte nach vorw├Ąnden, um die ungl├╝cklichen juden anzuschreien: "h├Ąnde aus den taschen, bitte..." usw. ich fand ihn bedauernswerter als die angeschrienen, und diese nur insofern bedauernswert, als sie angst hatten. als ich vor sein pult trat, br├╝llte er mich pl├Âtzlich an: "was finden sie hier l├Ącherlich." ich h├Ątte gern gesagt: "au├čer ihnen finde ich nichts l├Ącherlich hier", aber aus diplomatischen erw├Ągungen erschien es mir besser, das zu unterlassen. "sie lachen ja fortw├Ąhrend", br├╝llte er weiter. und ich ganz unschuldig: "dessen bin ich mir gar nicht bewusst, das ist mein gew├Âhnliches gesicht." und er: "machen sie keinen bl├Âdsinn, bitte, gehen sie rrraus", mit einem gesicht wie: mit dir rede ich noch. und das war vermutlich der psychologische moment, in dem ich todesangst h├Ątte bekommen m├╝ssen, aber ich hatte den trick zu rasch durchschaut.
ich habe eigentlich keine angst. nicht weil ich besonders tapfer w├Ąre, sondern in dem gef├╝hl, dass ich es immer noch mit menschen zu tun habe und dass ich versuchen will, jede ├Ąu├čerung zu verstehen, von wem sie auch sei, sofern mir das m├Âglich ist. und das war wieder ein historischer moment an diesem morgen: nicht dass ich von einem ungl├╝cklichen gestapoburschen angeschrien wurde, sondern dass ich dar├╝ber keineswegs entr├╝stet war und eher mitleid mit ihm hatte, so dass ich ihn am liebsten gefragt h├Ątte: war deine jugend denn so ungl├╝cklich, oder hat dein m├Ądchen dich betrogen? er sah gequ├Ąlt und aufgeregt aus, ├╝brigens auch recht unangenehm und schlapp. am liebsten h├Ątte ich ihn gleich in psychologische behandlung genommen, wobei mir sehr stark bewusst war, dass solche burschen nur bedauernswert sind, solange sie nichts b├Âses anrichten k├Ânnen, aber lebensgef├Ąhrlich, wenn sie auf die menschheit losgelassen werden. verbrecherisch ist nur das system, das sich dieser kerle bedient. und wenn vom ausrotten die rede ist, dann sollte das b├Âse im menschen und nicht der mensch ausgerottet werden.

ein mensch

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gl├╝ck oder ungl├╝ck?

in einem chinesischen dorfe lebte ein alter mann, der ein wundersch├Ânes, wei├čes pferd besa├č. darum beneideten ihn selbst die f├╝rsten.
der greis lebte in ├Ąrmlichen verh├Ąltnissen, doch sein pferd verkaufte er nicht, weil er es als freund betrachtete.

als das pferd eines morgens verschwunden war, erz├Ąhlte man sich im ganzen dorf: "schon immer haben wir gewusst, dass dieses pferd eines tages gestohlen w├╝rde. welch ein ungl├╝ck f├╝r diesen alten mann!"
"soweit d├╝rft ihr nicht gehen", erwiderte der alte mann. "richtig ist, dass das pferd nicht mehr in seinem stall ist, alles andere ist urteil. niemand wei├č, ob dies ein ungl├╝ck ist oder ein segen!"

nach zwei wochen kehrte der schimmel, der nur in die wildnis ausgebrochen war, mit einer schar wilder pferde zur├╝ck.
"du hast recht gehabt, alter mann", sprach das ganze dorf, "es war ein segen, kein ungl├╝ck!"
darauf erwiderte der greis: "ihr geht wieder zu weit. tatsache ist nur, dass das pferd zur├╝ckgekehrt ist."

der alte mann hatte einen sohn, der nun mit diesen pferden zu arbeiten begann. doch bereits nach einigen tagen st├╝rzte er von einem pferd und brach sich beide beine. im dorf sprach man nun: "alter mann, du hattest recht, es war ein ungl├╝ck, denn dein einziger sohn, der dich im alter versorgen k├Ânnte, kann nun seine beine nicht mehr gebrauchen."
darauf antwortete der mann: "ihr geht wieder zu weit. sagt doch einfach, dass sich mein sohn die beine gebrochen hat. wer kann denn wissen, ob dies ein unheil ist oder ein segen?"

bald darauf brach im lande ein krieg aus. alle jungen m├Ąnner wurden in die armee aufgeboten. einzig der sohn des alten mannes blieb daheim, weil er ein kr├╝ppel war. die bewohner des dorfes meinten: "der unfall war ein segen, du hattest recht."
darauf entgegnete der alte mann: "warum seid ihr vom urteilen so besessen? richtig ist nur, dass eure s├Âhne ins heer aufgeboten wurden, mein sohn jedoch nicht. ob dies ein segen oder ein ungl├╝ck ist, wei├č nur gott."

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ein lichtblick

19. februar 1942, donnerstag mittag, 2 uhr.
was heute den gr├Â├čten eindruck auf mich gemacht hat, waren die gro├čen lilafarbenen winterh├Ąnde von jan bool. wieder war jemand zu tode gefoltert worden, der sanftm├╝tige mann von cultura. ich erinnere mich noch, dass er mandoline spielte. seinerzeit hatte er ein nettes m├Ądchen, das inzwischen seine frau geworden ist, und ein kind ist auch da. "die bestien", sagte jan bool auf dem vollen korridor der universit├Ąt. sie haben ihn kaputtgemacht. wie auch jan romein und tielroy und noch einige andere zerbrechliche alte professoren. in derselben veluwe-landschaft, in der sie fr├╝her ihre sommerferien in einer freundlichen pension verbrachten, leben sie jetzt in einer zugigen baracke als gefangene. sie d├╝rfen nicht einmal ihren eigenen pyjama tragen, sie d├╝rfen nichts von ihrem eigentum behalten, erz├Ąhlte aleida schott im kaffeezimmer. sie sollen dadurch v├Âllig verst├Ârt werden und ein minderwertigkeitsgef├╝hl bekommen. [...]
es war heute morgen sehr trostlos im college. aber doch nicht v├Âllig trostlos, einen lichtblick gab es. ein kurzes, zuf├Ąlliges gespr├Ąch mit jan bool in der kalten, engen langebrugsteeg und an der stra├čenbahnhaltestelle. "was ist das im menschen, das die anderen vernichten will?" fragte jan verbittert.
ich sagte: "die menschen, ja die menschen, aber denke daran, dass du auch zu ihnen geh├Ârst." und gegen meine erwartung gab er das zu, er, der bockige, m├╝rrische jan. "und die schlechtigkeit der anderen ist auch in uns vorhanden", predigte ich weiter. "ich sehe keine andere l├Âsung, ich sehe wirklich keine andere l├Âsung, als sich dem eigenen inneren zuzuwenden und dort all das schlechte auszurotten. ich glaube nicht mehr daran, dass wir an der ├Ąu├čeren welt etwas verbessern k├Ânnen, solange wir uns nicht selbst im inneren gebessert haben. das scheint mir die einzige lehre dieses krieges zu sein. dass wir gelernt haben, das ├╝bel nur in uns selbst zu suchen und nirgendwo anders."
und jan stimmte mir ausnahmsweise zu, er war zug├Ąnglich und stellte fragen, statt mir wie fr├╝her mit knochenharten sozialen theorien zu kommen. und er sagte: "es ist so sch├Ąbig, sich seinen rachegef├╝hlen zu ├╝berlassen. sein leben nur auf den einen augenblick der rache auszurichten. das n├╝tzt uns doch auch nichts."
wir standen in der k├Ąlte und warteten auf die stra├čenbahn, jan mit seinen gro├čen lilafarbenen winterh├Ąnden und zahnschmerzen. und es waren keineswegs theorien, die wir verk├╝ndeten. unsere professoren sind verhaftet, wieder war ein freund von jan umgebracht worden, und noch viel anderes k├Ânnte man aufz├Ąhlen. und wir sagten zueinander: "die rachegef├╝hle sind so sch├Ąbig." das ist heutzutage doch wirklich ein lichtblick.

ein mensch

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suche nichts als ein reines, einfaches entsinken

suche nichts als ein reines, einfaches entsinken
in das reine, einfache, unbekannte, namenlose,
verborgene gut, das gott ist,
und in alles, was sich in ihm enth├╝llen mag.

alles soll sich an sein nichts halten:
nichts wissen, nichts erkennen, nichts wollen,
nichts suchen, nichts haben wollen.
suche weder empfindung noch erleuchtung!
entsinke in dein nicht-wissen
und nicht-wissen-wollen!

die tiefe, die in gott ist,
ist ein solcher abgrund,
dass aller geschaffene verstand
sie nicht zu erreichen
noch zu ergr├╝nden vermag.
dieser tiefe soll der mensch begegnen
mit der eigenen tiefe:
das ist, dem grundlosen abgrund
einer unergr├╝ndlichen selbstvernichtung.

das hei├čt: k├Ânnte er ganz
zu einem lauteren nichts werden,
das hielte er f├╝r recht und billig.

das kommt aus der tiefe
und der erkenntnis seines nichts.

johannes tauler

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von der religion

und ein alter priester sagte: »sprich zu uns von der religion.«
und er erwiderte: »habe ich denn heute von etwas anderem gesprochen?
sind nicht alle handlungen und alles sinnen religion,
und auch alles, was weder t├Ątigkeit noch nachdenken ist, sondern ein wunder und ein staunen, das best├Ąndig der seele entspringt, selbst w├Ąhrend die h├Ąnde den stein behauen?
wer kann seinen glauben von seinen taten trennen, oder seine ├╝berzeugung von seinem tun?
wer kann seine stunden vor sich ausbreiten und sagen: >dies ist f├╝r gott, und dies ist f├╝r mich, dies f├╝r meine seele, und jenes andere f├╝r meinen k├Ârper?<
all eure stunden sind schwingen, die von ich zu ich durch den raum schlagen.
wer seine moral nur wie sein bestes gewand tr├Ągt, der ginge besser nackt.
der wind und die sonne werden ihm schon keine l├Âcher in die haut rei├čen.
und wer sein verhalten nach den sittenlehren richtet, der sperrt seinen singvogel in einen k├Ąfig.
doch selbst das freieste lied dringt nicht durch gitterst├Ąbe und draht.
und der, f├╝r den die anbetung ein fenster ist, das man ├Âffnen, aber genausogut verschlie├čen kann, der hat das haus seiner seele noch nicht aufgesucht, dessen fenster von einer morgenr├Âte zur anderen reichen.

euer t├Ągliches leben ist euer tempel und eure religion.
wann immer ihr ihn betretet, nehmt euren besitz mit.
nehmt den pflug, den ambo├č, den hammer und die laute,
das, was ihr aus notwendigkeit oder zu eurer freude geschaffen habt.
denn in tagtr├Ąumen verm├Âgt ihr euch weder ├╝ber eure leistungen hinaus zu erheben noch tiefer zu st├╝rzen als euer scheitern.
und nehmt alle menschen mit euch:
denn in der andacht k├Ânnt ihr weder h├Âher fliegen als ihre hoffnungen sind, noch euch tiefer erniedrigen als ihre verzweiflung.

und wenn ihr gott kennenlernen wollt, dann macht euch nicht daran, r├Ątsel zu entziffern.
schaut euch lieber um, und ihr werdet sehen, wie er mit euren kindern spielt.
und seht in den himmel, und ihr werdet ihn auf den wolken wandeln sehen, seine arme mit dem blitz recken und im regen hinabsteigen.
ihr werdet sehen, wie er in den blumen l├Ąchelt, dann emporsteigt und euch aus den b├Ąumen zuwinkt.«

khalil gibran

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w├Ąhrend wir schlafen,

...in den geb├Ąuden unserer besitzt├╝mer,
unserer ├╝berzeugungen,
unserer abh├Ąngigkeiten,
und bequemen, tr├Âstlichen denkweisen
und sicherheiten

- brichst, du, immer wieder ein.

und tags├╝ber, streben wir dann weiterhin,
nach sicherheit - und ├╝ben uns,
im verzweifeln zwischen dem
was wir wollen
und dem was du uns schenkst.

- und du brichst immer wieder, von neuem ein,

meistens nehmen wir dich so wenig wahr,
wie den leisesten dieb in der nacht
und bei tage,
wenn wir nach unseren tagtr├Ąumen streben,
von ihnen gefangen
sind.

- du brichst immer wieder ein,

da rein, wo wir wirklich sind,

brichst ab, brichst auf,

du kannst nicht anders

- als uns aufwecken,

du wirkst,auch wenn du schreist,
in uns und durch uns, mit uns gefangen bist, dir selbst,
immer da bist, dich zu befreien suchst,
dich bemerkbar machst,
dir selbst im anderen,
hinzu...sehen meine schwester und meinen bruder,
dich, in ihnen be-r├╝hren,
diesen schmerz deines einbruchs - heilen.
und du ├╝bst dich, mit uns, in unendlicher geduld, liebevoll - wartend - jedes einatmens und ausatmens,

- aufwachens.

danke - du, der du der bist, der immer ist,
wo ich bin.

ein mensch

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wir leiden unmengen von schmerz

allein dadurch,
da├č wir gegen die tatsache des todes,
des vergehens und endens - k├Ąmpfen - denken.


und doch ist es ebenso, gerade
- diese tatsache,
diese tatsache allein,
welche uns von diesem leid
immer wieder
zu befreien vermag.

ein mensch

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denk dir ein bild

weites meer,
ein segelschiff setzt seine wei├čen segel
und gleitet hinaus in die offene see.
du siehst, wie es kleiner und kleiner wird.
wo sich wasser und himmel treffen,
verschwindet es.
da sagt jemand: nun ist es gegangen.
ein anderer sagt: es kommt.

nach peter streiff

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nur im alleinsein ist unschuld

die meisten von uns sind nie allein. sie k├Ânnen sich in die berge zur├╝ckziehen und als einsiedler leben, aber wenn sie k├Ârperlich allein sind, sind alle ihre vorstellungen und erfahrungen, ihre traditionen und ihr wissen ├╝ber das, was war, bei ihnen. der christliche m├Ânch ist nicht unbedingt allein in seiner klosterzelle. seine vorstellung von jesus, seine theologie mit den glaubenss├Ątzen und dogmen seiner spezifischen konditionierung sind bei ihm. dasselbe gilt f├╝r den indischen sannyasin, der sich von der welt zur├╝ckzieht und in der abgeschiedenheit lebt. oder, der von der welt verlassene. er ist nicht allein, denn auch er lebt mit seinen erinnerungen.

ich spreche von einem alleinsein, in dem der geist vollkommen frei von der vergangenheit ist. und nur ein solcher geist ist tugendhaft im eigentlichen sinne des wortes, denn nur in diesem alleinsein findet sich unschuld. vielleicht sagen sie: "das ist zu viel verlangt. so kann man nicht in dieser chaotischen welt leben, wo man jeden tag ins b├╝ro gehen muss, den lebensunterhalt verdienen muss, kinder aufziehen muss, das n├Ârgeln der ehefrau oder des ehemannes aushalten muss und was sonst noch alles." aber ich glaube, dass das eben gesagte einen direkten bezug zum t├Ąglichen leben und handeln hat, sonst w├Ąre es v├Âllig wertlos. in diesem alleinsein kommt eine tugend zum vorschein, die kraftvoll ist und ein au├čergew├Âhnliches empfinden von reinheit und sanftmut mit sich bringt.

es spielt keine rolle, ob man fehler macht, das ist ├╝berhaupt nicht wichtig. worauf es ankommt, ist, dass man dieses gef├╝hl hat, vollkommen allein und innerlich nicht verunreinigt zu sein, denn nur ein solcher geist kann das erfahren oder sich dessen bewusst sein, was ├╝ber das wort, ├╝ber die bezeichnung und ├╝ber die vorstellungen der einbildungskraft hinausgeht.

ein mensch

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wie man tag und nacht unterscheidet

ein guru fragte seine sch├╝ler, wie sie das ende der nacht vom beginn des tages unterscheiden k├Ânnten.
einer sagte: "wenn man in der entfernung ein tier sieht und erkennt, ob es eine kuh oder ein pferd ist."

"nein", sagte der guru.

"wenn man in der entfernung einen baum sieht und erkennt, ob es ein paternosterbaum oder ein mango ist."

"wieder falsch", sagte der guru.

"also, wie dann?", fragten die sch├╝ler.

"wenn man in das gesicht eines mannes blickt, und darin seinen bruder erkennt; wenn man in das gesicht einer frau blickt und in ihr seine schwester erkennt. wer dazu nicht f├Ąhig ist, f├╝r den ist - wo immer die sonne auch stehen mag - nacht."

ein mensch

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geh, verlass die heimat

geh, verlass die heimat,
die welt, darin du geboren bist,
darin du dich eingerichtet hast -
das haus voll von den namen der dinge,
die um dich sind,
lass alles,
was dir die sprache ├╝ber sie zu wissen gibt,
lass auch alles,
was dir die wissenschaft ├╝ber sie vorspricht,
lass auch die begriffe,
mit denen du nach den dingen greifst -
lass dieses haus hinter dir, geh!

dann wirst du, vielleicht wirst du dann dem anderen begegnen, f├╝r das du weder namen noch wissen noch begriffe hast, dem ur- und ingr├╝ndig wirklichen und wirkenden begegnen.

du wirst - schauen - dann ist kein ding mehr,
was es dir zuvor gewesen,
ein jedes,
eins um das andere,
wird dir einen namen sagen,
den du nicht nachsprechen
kannst.

und dann wird dir, vielleicht wird dir dann aus allem
und jedem,
das um dich ist, das unnennbare erscheinen,
und du wirst jene stimme h├Âren,
die du noch nie geh├Ârt,
sehr nah und gewaltig wirst, du sie rufen h├Âren:
ICH BIN DA!

fridolin stier

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der gefangene l├Âwe

ein l├Âwe geriet in gefangenschaft und wurde in ein lager gebracht, wo er zu seinem erstaunen noch andere l├Âwen antraf, die schon jahrelang dort waren, einige sogar ihr ganzes leben, denn sie waren dort geboren. er lernte bald die sozialen bet├Ątigungen der lagerl├Âwen kennen. sie schlossen sich in gruppen zusammen. eine gruppe bestand aus den gesellschaftsl├Âwen; eine andere ging ins showgesch├Ąft; wieder eine andere bet├Ątigte sich kulturell, um die br├Ąuche, die traditionen und die geschichte jener zeiten zu bewahren, als die l├Âwen in freiheit lebten. andere gruppen waren religi├Âs - sie kamen zusammen, um zu herzen gehende lieder zu singen von einem k├╝nftigen dschungel ohne z├Ąune. einige gruppen fanden zulauf von denen, die sich von natur aus f├╝r literatur und kunst interessierten; wieder andere waren revolution├Ąr gesonnen, sie trafen sich, um sich gegen ihre w├Ąrter zu verschw├Âren oder gegen andere revolution├Ąre gruppen pl├Ąne zu schmieden. ab und zu brach eine revolution aus, die eine oder andere gruppe wurde ausgel├Âscht, oder alle w├Ąrter wurden umgebracht und durch andere ersetzt.

als sich der neuank├Âmmling umsah, bemerkte er einen l├Âwen, der stets tief in gedanken versunken schien, ein einzelg├Ąnger, der keiner gruppe angeh├Ârte und sich meistens von allen fernhielt. es war etwas seltsames um ihn, das sowohl die bewunderung der anderen hervorrief, aber auch ihre feindseligkeit, denn seine gegenwart erzeugte angst und selbstzweifel. er sagte zu dem neuank├Âmmling: "schlie├č dich keiner gruppe an. diese armen narren k├╝mmern sich um alles, blo├č nicht um das wesentliche."

"und was ist das?", fragt der neuank├Âmmling. "├╝ber die art des zaunes nachzudenken."

ein mensch

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der bauchnabel

wei├čt du eigentlich wie der bauchnabel in deinen bauch gekommen ist?
als gott alle menschen gemacht hat, mussten sie sich alle noch einmal aufstellen. der ganze himmel war voll mit unz├Ąhlig vielen menschen. gro├če und kleine, dicke und d├╝nne. jeder war ganz anders und ganz einmalig.
und dann ist gott von mensch zu mensch gegangen. er hat sie angesehen, ganz lange, und hat gesehen, dass sie alle wundersch├Ân waren. richtige meisterwerke.
und dann hat gott jedem mit dem finger auf den bauch getippt und hat gesagt: "und dich hab ich lieb. und dich hab ich lieb. und dich hab ich lieb..."

ein mensch

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das kleine b├Ąumchen

es war an einem fr├╝hlingsnachmittag, als ich im sonnendurchstrahlten wald spazieren ging. ich genoss die herrliche frische inmitten der gro├čen, alten b├Ąume, die sich nun anschickten, ihr pr├Ąchtiges gr├╝n zu entfalten. mein weg f├╝hrte mich auch wieder zu einem kleinen b├Ąumchen, das etwas verloren und unsicher zwischen den m├Ąchtigen st├Ąmmen auf einer kleinen lichtung stand. ich w├Ąre vorbeigegangen, doch war es mir schon ├Âfter aufgefallen. ich kannte es gut. es war klein und von unf├Ârmiger gestalt. m├╝hevoll hatte es f├╝r den fr├╝hling einige knospen ausgebildet. so hatte ich es schon im letzten jahr anschauen m├╝ssen. nein, gewachsen war es eigentlich nicht. es bleibt eben das kleine b├Ąumchen auf der lichtung, dachte ich mir und konnte es mir nicht verkneifen, dieses endlich einmal auszusprechen - irgendjemand musste es ihm doch einmal sagen!
"wie komisch du doch gewachsen bist", fing ich an. "willst du etwa ein gro├čer baum werden? schau dich doch einmal um! die gro├čen b├Ąume mit starkem stamm und aufrechtem wuchs. der wind rauscht in ihren h├Âhen und die tiere des waldes suchen schutz unter ihrem dach - das sind b├Ąume! du aber bist nichts als kl├Ągliches gestr├╝pp! welcher vogel w├╝rde sich auf dir niederlassen wollen?"
auf diese weise versuchte ich es zu ├╝berzeugen, weil es mir leid tat. es musste mich einfach verstehen, denn die sinnlosigkeit seiner m├╝hen war so offensichtlich.
doch in den darauf folgenden tagen schickte sich dieses dickk├Âpfige b├Ąumchen an, meinen gut gemeinten ratschlag schlichtweg zu ignorieren. es tat so, als h├Ątte es nichts von alledem geh├Ârt und machte es den gro├čen b├Ąumen nach: bildete trotzig und unter gro├čen anstrengungen kleine triebe und bl├Ąttchen aus; streckte sich gierig dem licht entgegen. ich sah nun ein, dass es keinen zweck mehr hatte, weiter auf das b├Ąumchen einzureden. es soll doch selber sehen, wie es fertig wird, dachte ich mir. denkt es wirklich, es wird jemals ein baum werden?
"das glaubst du doch selber nicht!", rief ich noch zum abschied.


gedanken zur geschichte

manchmal denke ich, ich m├╝sste so sein, wie die gro├čen alten b├Ąume: selbstsicher, standfest, voller lebenskraft den winden trotzend; nistplatz f├╝r die v├Âgel des himmels. ich m├Âchte besonders sein, au├čergew├Âhnliches sagen und bewirken. doch: so, wie die gro├čen alten b├Ąume, erlebe ich mich oft nicht.
wie wenig ich doch gewachsen bin, denke ich dann. wie unfertig ich bin, unsicher und gar nicht gro├č; schon gar nicht au├čergew├Âhnlich: "du willst ein gro├čer baum sein? nichts als kl├Ągliches gestr├╝pp bist du!"

auf einem spaziergang fragte ich mich einmal, ob ich mit den kleinen b├Ąumchen am wegrand auch so umgehen w├╝rde, wie manchmal mit mir selbst. w├╝rde ich an eines dieser b├Ąumchen herantreten und zu ihm sagen: "eine gro├če, m├Ąchtige eiche solltest du sein, nicht dieses kleine pfl├Ąnzchen, das du jetzt bist"?

das kleine b├Ąumchen auf der lichtung l├Ąsst sich in der geschichte nicht auf eine solche perspektive ein. es versucht auch keine gro├čen taten zu vollbringen, um sich aufzuschwingen in den kreis der baumriesen. es wei├č, dass es nicht allein in seiner macht liegt zu wachsen. es kennt seine bed├╝rftigkeit nach licht, wasser und nahrung und tut etwas ganz einfaches: es bildet bl├Ątter und wurzeln aus und streckt sich mit seinem begrenzten verm├Âgen licht und nahrung entgegen. ja, vielleicht wird es wirklich nie ein gro├čer baum werden. licht und wasser k├Ânnten ihm genommen werden, der wind k├Ânnte es umknicken und waldarbeiter es ausrei├čen. doch es ist nicht die hoffnung, dass es gut ausgeht, die das b├Ąumchen wachsen l├Ąsst. es ist das schlichte vertrauen, dass sein leben, sein wachsen - mag es auch noch so unscheinbar und klein erscheinen - wertvoll ist: dass es absolut gut ist, in seinen eigenen grenzen zu leben, zu wachsen und zu reifen.

dieses vertrauen w├╝nsche ich uns auf unserem weg.

michael schriewer

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der k├╝rzere weg

folge dem k├╝rzeren weg:
ohne sich gedanken zu machen
oder sonst etwas,
nur in einem inneren,
ganz gelassenen,
stillen schweigen.

in einem nach innen gekehrten gem├╝t
und einem lauteren abwarten,
was gott im menschen wirken will
an lauterstem
am innerstem,
wie es ihm gef├Ąllt.

johannes tauler

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spuren am weg

es war einmal ein vater, der zwei s├Âhne hatte. je ├Ąlter und gebrechlicher er wurde, desto mehr dachte er ├╝ber sein leben nach. und manchmal kamen ihm zweifel, ob er seinen s├Âhnen wohl das wichtigste f├╝r ihr leben weitergegeben hatte.

weil ihm diese frage nicht loslie├č, beschloss der vater seine s├Âhne mit einem besonderen auftrag auf eine reise zu schicken. er lie├č sie zu sich kommen und sagte: "ich bin alt und gebrechlich geworden. meine spuren und zeichen werden bald verblassen. nun m├Âchte ich, dass ihr in die welt hinaus geht und dort eure ganz pers├Ânlichen spuren und zeichen hinterlasst."

die s├Âhne taten, wie ihnen gehei├čen und zogen hinaus in die welt.

der ├Ąltere begann sogleich eifrig damit, grasb├╝schel zusammenzubinden, zeichen in b├Ąume zu schnitzen, ├Ąste zu knicken und l├Âcher zu graben, um seinen weg zu kennzeichnen.

der j├╝ngere sohn jedoch sprach mit den leuten, denen er begegnete, er ging in die d├Ârfer und feierte, tanzte und spielte mit den bewohnern.

da wurde der ├Ąltere sohn zornig und dachte bei sich: "ich arbeite die ganze zeit und hinterlasse meine zeichen, mein bruder aber tut nichts."

nach einiger zeit kehrten sie zum vater zur├╝ck.

der nahm dann gemeinsam mit seinen s├Âhnen seine letzte und beschwerliche reise auf sich, um ihre zeichen zu sehen.

sie kamen zu den gebundenen grasb├╝scheln. der wind hatte sie verweht und sie waren kaum noch zu erkennen. die gekennzeichneten b├Ąume waren gef├Ąllt worden und die l├Âcher, die der ├Ąltere der beiden s├Âhne gegraben hatte, waren fast alle bereits wieder zugesch├╝ttet.

aber wo immer sie auf ihrer reise hinkamen, liefen kinder und erwachsene auf den j├╝ngeren sohn zu und freuten sich, dass sie ihn wiedersahen und luden ihn zum essen und zum feiern ein.

am ende der reise sagte der vater zu seinen s├Âhnen: "ihr habt beide versucht, meinen auftrag, zeichen zu setzen und spuren zu hinterlassen, zu erf├╝llen. du, mein ├Ąlterer, hast viel geleistet und gearbeitet, aber deine zeichen sind verblichen. du, mein j├╝ngerer, hast zeichen und spuren in den herzen der menschen hinterlassen. diese bleiben und leben weiter."

stiegler herbert, nach einem afrikanischen m├Ąrchen, leicht umgeschrieben

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himmel und h├Âlle

ein grosser harter samurai ging einmal einen kleinen m├Ânch besuchen.

"m├Ânch, sagte er in einem ton, der sofortigen gehorsam gewohnt war,
"lehre mich etwas ├╝ber himmel und h├Âlle!"

der m├Ânch sah zu dem m├Ąchtigen krieger auf und entgegnete voller verachtung:

"dich etwas ├╝ber himmel und h├Âlle lehren? ├╝berhaupt nichts k├Ânnte ich dich lehren.
du bist schmutzig. du stinkst. deine klinge ist rostig. du bist eine scham und schande f├╝r die klasse der samurai.
geh mir aus den augen. ich kann dich nicht ertragen."

der samurai war w├╝tend. er zitterte, wurde ganz rot im gesicht, war sprachlos vor wut.
er zog sein schwert und hob es in die h├Âhe, um den m├Ânch damit zu erschlagen.

"das ist die h├Âlle." sagte der m├Ânch sanft.

der samurai war ├╝berw├Ąltigt. das mitgef├╝hl und die ergebenheit dieses kleinen mannes,
der sein leben hergab, um ihm diese lehre zu geben und ihm die h├Âlle zu zeigen!
langsam senkte er sein schwert, erf├╝llt von dankbarkeit und pl├Âtzlichem frieden.

"und das ist der himmel", sagte der m├Ânch sanft.

ein mensch

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warum erkennen wir es nicht?

"ist es m├Âglich, das g├Âttliche zu sehen?"
"du siehst es doch jetzt."
"warum erkennen wir es nicht?"
"weil du es mit hilfe der gedanken verstellst."
die menschen sch├╝ttelten verst├Ąndnislos den kopf. daraufhin sagte ein anderer mensch:
"wenn der nordwind bl├Ąst, wird wasser zu einem starren block, der eis hei├čt. wenn das denken einsetzt, zersplittert die wirklichkeit in millionen starre st├╝cke, die `dinge´ hei├čen."

ein mensch

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die schuldfrage

ein mensch ging eine stra├če entlang.
pl├Âtzlich st├╝rzte ein anderer mensch aus einem hauseingang, so dass die beiden heftig gegeneinanderprallten.
der andere mensch war furchtbar w├╝tend, schrie und schimpfte und beleidigte den menschen.
daraufhin verbeugte sich der mensch mit einem milden l├Ącheln und sprach:
"ich wei├č nicht, wer von uns an dem zusammensto├č die schuld tr├Ągt. ich bin aber auch nicht gewillt, meine kostbare zeit mit der beantwortung dieser frage zu vergeuden. deshalb: wenn ich die schuld trage, entschuldige ich mich hiermit und bitte sie f├╝r meine unachtsamkeit um verzeihung. falls sie der schuldige waren, k├Ânnen sie die sache einfach vergessen."
er verbeugte sich noch einmal und ging mit einem l├Ącheln im gesicht seines weges.

anthony de mello: eine minute unsinn, herder, 1998 geschichte leicht ├╝berarbeitet

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was ist die ewige wahrheit

der jesuitenpater william johnston berichtet, dass er, als er sich in einem japanischen zen-kloster aufhielt, vom meister gefragt wurde, nach welcher methode er meditiere. johnston antwortete, dass er still, ohne worte, gedanken, bilder oder ideen, in der gegenwart gottes sitze. der meister fragte, ob sein gott ├╝berall sei, und als johnston bejahte, fragte der meister ihn, ob er "ganz in gott eingeh├╝llt sei". johnston bejahte. "sehr gut, sehr gut", sagte der meister, "machen sie so weiter. mit der zeit werden sie feststellen, dass gott verschwindet und nur noch johnston ├╝brigbleibt." johnston war von dieser bemerkung schockiert, weil sie ihm wie eine leugnung all dessen klang, was ihm heilig war. daher widersprach er dem meister und sagte: "gott wird nicht verschwinden. aber vielleicht johnston, und dann ist nur noch gott ├╝brig." "ja, ja", erwiderte der meister l├Ąchelnd. "das ist das selbe. so meine ich es."

in: aldinger: "was ist die ewige wahrheit"

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verborgen

es war abend, und ich f├╝hlte mich einsam. ich las ein buch, bis ich eine gro├če d├╝rre in meinem herzen empfand und es mir schien, als sei sch├Ânheit ein ding, das wortkr├Ąmer f├╝r den markt herstellten. m├╝de schlo├č ich das buch und blie├č die kerze aus. in einem augenblick war das zimmer von mondlicht ├╝berflutet.
...geist der sch├Ânheit, wie konntest du, dessen glanz der ganze himmel nicht zu fassen vermag, dich hinter einer kleinen kerzenflamme verbergen? wie konnten ein paar eitle worte aus einem buche wie ein nebel aufsteigen und sie verschleiern, deren stimme in das leidenschaftlich pochende herz der welt unaussprechlich s├╝├če ruhe gie├čt?

rabindranath tagore

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von der liebe

da sagte almira:
sprich zu uns von der liebe.
und er hob sein haupt, sah die menschen an
und eine stille fiel auf sie.
und mit starker stimme sagte er:
wenn dich die liebe ruft, so folge ihr,
auch wenn ihre wege schwer und steil sind.
Und wenn ihre fl├╝gel dich umfassen,
gib ihr nach, auch wenn das schwert
in ihrem gefieder versteckt
dich verwunden kann.
und wenn sie zu dir spricht, glaub ihr,
auch wenn ihre stimme deine tr├Ąume zerst├Ârt,
wie der nordwind den garten verw├╝stet.

so wie die liebe dich kr├Ânt,
so kann sie dich auch kreuzigen.
so wie sie dein wachstum beg├╝nstigt,
so ist sie auch f├╝r dein beschneiden.
so wie die liebe emporsteigt in deine h├Âhe
und deine zartesten ├Ąste liebkost,
die in der sonne zittern,
so wird sie hinabsteigen in deine wurzeln
und sie ersch├╝ttern,
w├Ąhrend sie die erde festhalten.

wie getreidegarben
holt sie dich zu sich.
sie drischt dich,
um dich nackt zu machen.
sie siebt dich,
um dich von der spreu zu trennen.
sie mahlt dich bis du wei├č bist.
sie knetet dich, bis du geschmeidig bist.
und dann ├╝bergibt sie dich dem heiligen feuer,
damit du heiliges brot
f├╝r gottes heiliges mahl wirst.

das alles tut dir die liebe,
damit du die geheimnisse
deines herzens kennen lernst,
und mit diesem wissen
zu einem teil des herzens des lebens wirst.

aber wenn du in deiner angst
nur nach dem frieden
und der lust der liebe suchst,
dann ist es besser
deine nacktheit zu bedecken
und den dreschboden zu verlassen,
um eine welt ohne jahreszeiten zu betreten,
wo du lachen wirst, aber nicht all dein lachen,
wo du weinen wirst, aber nicht all deine tr├Ąnen.

die liebe gibt nichts, als sich selbst,
und nimmt nichts, au├čer von sich selbst.
die liebe besitzt nicht
und l├Ą├čt sich nicht besitzen,
weil die liebe der liebe gen├╝gt.

wenn du liebst,
solltest du nicht sagen:
"gott ist in meinem herzen",
sondern:
"ich bin im herzen gottes."
und denke nicht,
dass du die liebe bestimmen kannst,
weil die liebe,
- wenn sie dich w├╝rdig sch├Ątzt -,
dich bestimmen wird.

die liebe hat keinen anderen wunsch,
als sich selbst zu erf├╝llen.
aber wenn du liebst und w├╝nsche hast,
dann lass dies deine w├╝nsche sein:
zu schmelzen
und wie ein flie├čender bach zu sein,
der seine melodie an die nacht singt;
den schmerz von zuviel zartheit zu kennen;
verwundet zu werden
von deinem eigenen verst├Ąndnis der liebe;
freiwillig und freudig zu bluten.

im morgengrauen
mit beschwingtem herz aufzuwachen
und dankbar zu sein
f├╝r einen neuen tag des liebens;
mittags ausruhen
und ├╝ber die verz├╝ckung der liebe nachzusinnen;
am abend mit dankbarkeit
nach hause zu kommen;
und dann zu schlafen,
mit einem gebet f├╝r den geliebten menschen
in deinem herzen
und mit einem loblied auf deinen lippen.

khalil gibran

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angelus silesius

1.
gott wohnt in einem licht,
zu dem die bahn gebricht.
wer es nicht selber wird,
der sieht ihn ewig nicht
2.
wenn ich in gott vergeh'
so komm ich wieder hin,
wo ich in ewigkeit
vor mir gewesen bin.
3.
du reisest vielerlei
zu sehn und auszusp├Ąhn.
hast du nicht gott erblickt,
so hast du nichts gesehn.
4.
o wesen dem nichts gleicht.
gott ist ganz au├čer mir,
und innen mir auch ganz,
ganz dort und auch ganz hier.
5.
die gottheit ist ein brunn',
aus ihr kommt alles her,
und l├Ąuft auch wieder hin.
drum ist sie auch ein meer.
6.
die ros' ist ohn' warum,
sie bl├╝het, weil sie bl├╝ht.
sie acht' nicht ihrer selbst,
fragt nicht, ob man sie sieht.
7.
mensch, werde wesentlich;
denn wenn die welt vergeht,
so f├Ąllt der zufall weg.
das wesen, das besteht.
8.
die schrift ist schrift, sonst nichts.
mein trost ist wesenheit,
und das gott in mir spricht
das wort der ewigkeit.
9.
das ├╝berlichte licht
schaut man in diesem leben
nicht besser, als wenn man
ins dunkle sich begeben.
10.
der punkt der seligkeit
besteht in dem allein,
dass man mu├č wesentlich
aus gott geboren sein
11.
wie t├Âricht tut der mensch,
der aus der pf├╝tze trinkt
und die font├Ąne l├Ąsst,
die ihm im haus entspringt.
12.
wer h├Ątte das vermeint:
aus finsternis kommt licht,
das leben aus dem tod,
das etwas aus dem nichts.
13.
das edelste gebet ist,
wenn der beter sich
in das, vor dem er kniet,
verwandelt inniglich.
14.
das liebste werk, das gott
so inniglich liegt an,
ist, das er seinen sohn
in dir geb├Ąren kann.
15.
wird christus tausendmal
zu bethlehem gebor'n
und nicht in dir, du bleibst
noch ewiglich verlor'n
16.
ich selbst bin ewigkeit,
wann ich die zeit verlasse
und mich in gott und gott
in mich zusammenfasse.
17.
zeit ist wie ewigkeit
und ewigkeit ist wie zeit,
so du nur selber nicht
machst ein unterschied.
18.
ach, zweifle nicht,
sei nur aus gott gebor'n,
so bist du ewiglich
zum leben auserkor'n
19.
freund, so du etwas bist,
so bleib doch ja nicht stehn.
man mu├č aus einem licht
fort in das andre gehn.
20.
das tr├Âpflein wird das meer,
wenn es ins meer gekommen,
die seele gott, wenn sie
in gott ist aufgenommen.
21.
halt an, wo l├Ąufst du hin?
der himmel ist in dir.
suchst du gott anderswo,
du fehlst ihn f├╝r und f├╝r.
22.
der regen f├Ąllt nicht ihm,
die sonne scheint nicht ihr.
auch du bist anderen geschaffen
und nicht nur dir
23.
ach ja, w├Ąr ich im du
und du im ich ein ein,
so m├Âchte ich tausendmal
der himmel himmel sein.
24.
die menschen plappern viel.
wer geistlich wei├č zu beten,
der kann mit a und o
getrost vor gott hintreten.
25.
meinst du, o armer mensch,
das deines mund's geschrei
der rechte lobgesang
der stillen gottheit sei?
26.
willst du den neuen mensch'
und seinen namen kennen,
so frage gott zuvor,
wie er pflegt sich zu nennen.
27.
wer in dem n├Ąchsten nichts
als gott und christus sieht,
der siehet mit dem licht,
das aus der gottheit bl├╝ht.
28.
gleich wie die einheit ist
in einer jeden zahl,
so ist auch gott, der ein',
in dingen ├╝berall.
29.
gott ist von anbeginn
der bildner aller dinge
und auch ihr muster selbst;
drum ist ja kein's geringe.
30.
mensch, nichts ist unvollkomm'n.
der kies gleich dem rubin.
der frosch ist ja so sch├Ân
wie engel seraphim.
31.
wer seine sinne hat
ins innere gebracht,
der h├Ârt, was man nicht red't,
und siehet in der nacht.
32.
eh' als ich noch war,
da war gott in gott;
drum kann ich's wieder sein,
wenn ich nur mir bin tot.
33.
wer mir vollkommenheit,
wie gott hat, ab will sprechen,
der m├╝sste mich zuvor
von seinem weinstock brechen.
34.
ein wahrer armer mensch
steht ganz auf nichts gericht't.
gibt gott ihm gleich sich selbst,
ich wei├č, er nimmt ihn nicht.
35.
im eins ist alles eins;
kehrt zwei zur├╝ck hinein,
so ist es wesentlich
mit ihm ein ein'ges ein.
36.
gott sind die werke gleich:
der heil'ge, wann er trinkt,
gefallet ihm sowohl,
als wenn er bet't und singt
37.
gott tut im heil'gen selbst
all's, was der heil'ge tut,
gott geht, steht, liegt, schl├Ąft, wacht,
i├čt, trinkt, hat guten mut.
38.
man kann den h├Âchsten gott
mit allen namen nennen;
man kann ihm wiederum
nicht einen zuerkennen.
39.
hier flie├č' ich noch
in gott als bach der zeit.
dort bin ich selbst das meer
der ew'gen seligkeit.
40.
du sprichst, du wirst
gott sehen und sein licht
o narr, du siehst ihn nie,
siehst du ihn heute nicht.
41.
nicht gott gibt's himmelreich,
du selbst mu├čt's zu dir ziehn.
und dich mit ganzer macht
und eifer drum bem├╝h'n.
42.
ich bin so reich als gott,
es kann kein st├Ąublein sein,
das ich - mensch glaub mir! -
mit ihm nicht hab gemein.
43.
bist du in gott gebor'n,
so bl├╝het gott in dir,
und seine gottheit ist
dein saft und deine zier.
44.
gott ist so viel an mir,
als mir an ihm gelegen;
sein wesen helf' ich ihm,
wie er das meine hegen.
45.
wer gott um gaben bitt',
der ist gar ├╝bel dran.
er betet das gesch├Âpf
und nicht den sch├Âpfer an.
46.
erkenne selber dich.
wer sich erkennen kann,
trifft inner sich oft mehr
als einen menschen an.
47.
wer die natur der ding'
und sachen will ergr├╝nden,
kennt alle, kann er recht
die t├╝r zu einem finden.
48.
gott ist ein lauter nichts,
ihn r├╝hrt kein nun noch hier,
je mehr du nach ihm greifst,
je mehr entwird er dir.
49.
ich sterb' und leb' auch nicht.
gott selber stirbt in mir.
und was ich leben soll,
lebt er auch f├╝r und f├╝r.
50.
gott selber, wenn er dir
will leben, mu├č sterben.
wie denkst du ohne tod
sein leben zu erwerben?
51.
ich bin nicht au├čer gott
und gott nicht au├čer mir
ich bin sein glanz und licht,
und er ist meine zier.
52.
ich selbst mu├č sonne sein,
ich mu├č mit meinen strahlen
das farbenlose meer
der ganzen gottheit malen.
53.
wer selbst nicht alles ist,
der ist noch zu
da├č er dich sehen soll,
mein gott, und alle ding.
54.
gott ist mir gott und mensch
ich bin ihm mensch und gott:
ich l├Âsche seinen durst,
und er hilft mir aus not.
55.
gott liebt und lobt sich selbst,
soviel er immer kann:
er kniet und neiget sich,
er be't sich selber an.
56.
weil ich das wahre licht,
so wie es ist, soll sehn,
so mu├č ich's selber sein,
sonst kann es nicht geschehn.
57.
wenn du vergottet bist,
so i├čt und trinkst du gott
und dies ist ewig wahr
in jedem bissen brot.
58.
die seel' ist ein kristall,
die gottheit ist ihr schein
der leib, in dem du lebst
ist ihrer beider schrein.
59.
gott hat nicht unterschied
es ist ihm alles ein:
er machet sich soviel der flieg,
als dir gemein.
60.
soll ich mein letztes end
und ersten anfang finden,
so mu├č ich mich in gott
und gott in mir ergr├╝nden.
61.
da├č gott so selig ist
und lebet ohn' verlangen
hat er sowohl von mir
als ich von ihm empfang.
62.
ich bin so gro├č wie gott,
er ist wie ich so klein;
er kann nicht ├╝ber mir
ich unter ihm nicht sein.
63.
mensch, wo du noch was bist,
was wei├čt, was liebst und ha├čt
so bist du, glaube mir,
nicht ledig deiner last.
64.
gott gr├╝nd't sich ohne grund
und mi├čt sich ohne ma├č:
bist du ein geist mit ihm,
mensch, so verstehst du das.
65.
wer nichts begehrt, nichts hat,
nichts wei├č, ┬énichts liebt, nichts will,
der hat, der wei├č, begehrt
und liebt noch immer viel.
66.
du darfst zu gott nicht schrei'n,
der brunnquell ist in dir.
stopfst du den ausgu├č nicht,
er fl├Âsse f├╝r und f├╝r.
67.
mensch, suchst du gott um ruh',
so ist dir noch nicht recht.
du suchest dich, nicht ihn -
bist noch nicht kind, nur knecht.
68.
das kreuz zu golgotha
kann dich nicht von dem b├Âsen,
- wo es nicht auch in dir
wird aufgericht', - erl├Âsen.
69.
gott ist ein ein'ges ein.
wer seiner will genie├čen,
mu├č sich nicht weniger als er
in ihn einschlie├čen.
70.
so du das ew'ge wort
in dir willst h├Âren sprechen:
so mu├čt du dich zuvor
vom h├Âren ganz entbrechen.
71.
mensch, so du gott noch pflegst
f├╝r dies und das zu danken,
bist du noch nicht versetzt
aus deiner schwachheit schranken.
72.
wer ist, als w├Ąr' er nicht
und w├Ąr er nie geworden:
der ist - o seligkeit! -
zu lauter gott geworden.
73.
sofern mein will' ist tot,
so mu├č gott, was ich will.
ich schreib' ihm selber vor
das muster und das ziel.
74.
die rose, welche hier
dein ├Ąu├čeres auge sieht,
die hat in ewigkeit
in gott auch so gebl├╝ht.
75.
die zarte gottheit ist
ein nichts und ├╝bernichts.
wer nichts in allem sieht,
- mensch glaube, - dieser sieht's.
76.
mensch, wenn du noch nach gott
begehr' hast und verlangen,
so bist du noch von ihm
nicht ganz und gar umfangen.
77.
das wort, das dich und mich
und alle dinge tr├Ągt,
wird wiederum von mir
getragen und gehegt.
78.
man redet von zeit und ort,
von nun und ewigkeit.
was ist dann zeit und ort
und nun und ewigkeit?
79.
gott ist das, was er ist;
ich, was ich durch ihn bin
doch kennst du einen wohl,
so kennst du mich und ihn.
80.
gott ist mein geist, mein blut,
mein fleisch und mein gebein;
wie soll ich dann mit ihm
nicht ganz durchgottet sein?
81.
fragst du, was gott mehr liebt:
ihm wirken oder ruh'n?
ich sage, da├č der mensch
wie gott soll beides tun.
82.
gott ist so ├╝berall,
da├č man nichts sprechen kann;
drum betest du ihn auch
mit schweigen besser an.
83.
ich bin gott's kind und sohn;
er wieder ist mein kind.
wie gehet es doch zu,
da├č beide beides sein?
84.
nichts weset ohne stimm'.
gott h├Âret ├╝berall,
in allen kreaturen
sein lob und widerhall.
85.
die kreaturen sind
des ew'gen wortes stimme.
es singt und klingt sich selbst,
in anmut und im grimme.
86.
liebst du noch was an gott,
so sprichst du gleich dabei,
da├č gott dir noch nicht gott
und alle dinge sei.
87.
was cherubim erkennt,
das mag mir nicht gen├╝gen.
ich will noch ├╝ber ihn,
wo nichts erkannt wird, fliegen.
88.
in gott wird nichts erkannt:
er ist ein einig-ein.
was man in ihm erkennt,
das mu├č man selber sein.
89.
mensch, wenn dich weder lieb
ber├╝hrt noch leid verletzt,
so bist du ganz in gott
und gott in dich versetzt.
90.
wie selig ist der mensch.
der weder will noch wei├č,
der gott - (versteh' mich recht!)
nicht gibet lob noch preis.
91.
ich sterb' und lebe gott:
will ich ihm ewig leben,
so mu├č ich ewig auch
vor ihm den geist aufgeben.
92.
wer unbeweglich bleibt
in freud', in leid, in pein,
der kann nunmehr nicht weit
von gottes gleichheit sein.
93.
gott ist nicht hier noch da:
wer ihn begehrt zu finden,
der la├č sich h├Ąnd' und f├╝├č'
und leib und seele binden.
94.
geh hin, wo du nicht kannst!
sieh! wo du siehest nicht!
h├Âr, wo nichts schallt und klingt:
so bist du, wo gott spricht.
95.
die ewge gottheit ist
so reich an rat und tat,
da├č sie sich selbst noch nie
ganz ausgeforschet hat.
96.
der, was er hat, nicht hat
und, alles sch├Ątzet gleich,
der ist im reichtum arm,
in armut ist er reich.
97.
nicht du bist, der da lebt,
denn das gesch├Âpf ist tot!
das leben, das in dir
dich leben macht, ist gott.
98.
was gott ist, wei├č man nicht!
er ist nicht licht, nicht geist
nicht wonnigkeit, nicht eins,
nicht was man gottheit hei├čt.
99.
nicht weisheit, nicht verstand,
nicht liebe, wille, g├╝te,
kein ding, kein unding auch,
kein wesen, kein gem├╝te.
100.
er ist, was ich und du
und keine kreatur,
eh wir geworden sind,
was er ist, nie erfuhr.

angelus silesius

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befreiung von unwissenheit und leid

...manchmal h├Âre ich voller hoffnung und angst zu; ich suche das licht einer anderen, aber verf├╝ge nicht ├╝ber die aufmerksame passivit├Ąt, die notwendig ist, um zu verstehen.
wenn diese andere, befreite, meine w├╝nsche zu erf├╝llen scheint, akzeptiere ich sie, wenn nicht, setze ich meine suche nach derjenigen fort, die es tut.
oft geht es mir vor allem um befriedigung und erf├╝llung auf verschiedenen ebenen.
die eigentliche frage ist nicht, wie ich eine befreite erkenne, sondern wie ich mich selbst erkenne und verstehe.
keine autorit├Ąt der welt kann mir kenntnisse ├╝ber mich selbst vermitteln. und ohne selbsterkenntnis gibt es keine befreiung von unwissenheit und leid. gibt es keine freiheit, keine liebe, keine wahrheit, kein leben, kein alles, kein nichts, kein gott, keine handlung, kein ich bin der der ich bin, kein sein.

ein mensch

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angst blockiert den sch├Âpferischen unternehmungsgeist

wir haben uns mit dem problem der angst besch├Ąftigt. wir haben gesehen, dass die meisten von uns angst haben und dass angst die f├Ąhigkeit blockiert, aus eigenem empfinden zu handeln, weil sie uns dazu bringt, uns an menschen und dingen festzuklammern wie eine kletterpflanze an einen baum. wir klammern uns an unsere eltern, unsere ehem├Ąnner, unsere s├Âhne, unsere t├Âchter, unsere ehefrauen und unseren besitz. das ist die ├Ąu├čere form der angst. da wir die angst in uns sp├╝ren, f├╝rchten wir uns, allein dazustehen. vielleicht besitzen wir viele sch├Âne kleider, eine menge schmuck oder andere dinge, aber innerlich, seelisch, sind wir sehr arm. und je ├Ąrmer wir innerlich sind, desto mehr versuchen wir uns ├Ąu├čerlich zu bereichern, indem wir uns an menschen, titel oder besitz klammern

wenn wir angst haben, klammern wir uns nicht nur an ├Ąu├čere dinge, sondern auch an ideelle, wie beispielsweise traditionen. f├╝r die meisten ├Ąlteren leute und f├╝r menschen, die sich unzul├Ąnglich und leer f├╝hlen, hat tradition eine gro├če bedeutung. habt ihr das schon einmal bei euren freunden, eltern oder lehrern festgestellt? habt ihr es bei euch selbst bemerkt? in dem augenblick wo angst da ist, innere angst, versucht ihr sie mit dem mantel der ehrbarkeit zuzudecken, indem ihr einer tradition folgt. und so verliert ihr den sch├Âpferischen unternehmungsgeist. da ihr keine f├Ąhigkeit mehr besitzt, aus eigenem empfinden neues zu schaffen und nur anderen folgt, wird die tradition zu etwas sehr wichtigem - die tradition dessen, was die leute sagen, die tradition, die aus der vergangenheit ├╝berliefert wurde, die tradition, die keine lebendigkeit und freude am leben in sich tr├Ągt, da sie lediglich eine sinnentleerte wie- derholung ist.

wenn man angst hat, neigt man zur nachahmung. habt ihr das schon einmal bemerkt? menschen die angst haben, imitieren andere, sie kleben an der tradition, an ihren eltern, ihren frauen, ihren br├╝dern, ihren m├Ąnnern. und nachahmung zerst├Ârt die f├Ąhigkeit zu sch├Âpferischem tun aus eigenem empfinden. wenn ihr einen baum zeichnet oder malt, bildet ihr ihn nicht nach, ihr kopiert ihn nicht exakt, wie er ist, das w├Ąre blo├če fotografie. um einen baum oder eine blume oder einen sonnenuntergang ganz frei malen zu k├Ânnen, muss man wahrnehmen, was er einem sagt, man muss seine bedeutung erfassen. das ist sehr wichtig: zu versuchen, die bedeutung dessen, was man sieht, wiederzugeben und es nicht einfach zu kopieren, denn dann setzt man den kreativen prozess in gang. und dazu braucht man einen freien geist, einen geist, der unbelastet von tradition und nachahmung ist. aber schaut euch euer eigenes leben und das leben der menschen in eurer umgebung an - wie traditionsgebunden es ist, wie sehr es auf nachahmung beruht.

in manchen dingen seid ihr zur nachahmung gezwungen, beispielsweise in der art, wie ihr euch kleidet, bei der auswahl eurer lekt├╝re oder im hinblick auf eure muttersprache. das sind alles formen der imitation. aber es ist notwendig, ├╝ber diese ebene hinauszugehen und innerlich so frei zu werden, dass man die dinge selbst untersucht und nicht gedankenlos akzeptiert, was jemand anders sagt. es spielt keine rolle, wer es ist - ein lehrer in der schule, ein elternteil oder einer der gro├čen religi├Âsen lehrer. es ist sehr wichtig, sich seine eigenen gedanken zu machen und nicht einfach jemandem zu folgen, weil blo├če gefolgschaft ein zeichen f├╝r angst ist, nicht wahr?

in dem moment, in dem euch jemand etwas anbietet, das ihr euch w├╝nscht - das paradies, den himmel oder einen besseren job, - steigt die angst hoch, es nicht zu bekommen. deshalb fangt ihr an, zu akzeptieren, euch zu verbiegen. solange ihr etwas wollt, muss zwangsl├Ąufig angst da sein, und angst verkr├╝ppelt den geist, sie hindert euch daran, frei zu sein.

wisst ihr, was ein freier geist ist? habt ihr jemals euren eigenen geist beobachtet? er ist nicht frei nicht wahr? ihr achtet st├Ąndig drauf, was eure freunde ├╝ber euch sagen. euer geist ist wie ein haus, das von einem zaun oder von stacheldraht┬é umgeben ist. in diesem zustand kann nichts neues geschehen. etwas neues kann nur geschehen, wenn keine angst da ist. und es ist extrem schwierig f├╝r den geist, frei von angst, das hei├čt wirklich vollkommen frei von dem wunsch zu sein, andere zu imitieren und ihnen zu folgen, frei von dem wunsch, ein verm├Âgen anzuh├Ąufen oder sich einer tradition gem├Ą├č zu verhalten - was nicht bedeutet, dass man etwas unversch├Ąmtes oder abscheuliches tut.

freiheit des geistes ist nur m├Âglich, wenn keine angst da ist, wenn der geist nicht prahlen will und sich nicht f├╝r status oder prestige verbiegt. dann hat er kein interesse an nachahmung. und es ist wichtig, einen solchen geist zu haben - einen, der wirklich frei von tradition ist, denn sie ist der mechanismus, der die geistlichen muster pr├Ągt.

wahrscheinlich ist das alles zu schwierig? ich glaube nicht, das es so schwierig ist, wie eure geografie oder mathematik. es ist viel einfacher, ihr habt nur noch nie dar├╝ber nachgedacht. ihr verbringt vielleicht 10 oder 15 jahre eures lebens in der schule und erwerbt wissen, doch ihr nehmt euch nie die zeit - keine woche, nicht einmal einen tag, - um gr├╝ndlich ├╝ber eine dieser fragen nachzudenken. deshalb erscheint euch all das so schwierig, aber es ist in wirklichkeit ├╝berhaupt nicht schwierig. im gegenteil, wenn ihr euch zeit daf├╝r nehmt, k├Ânnt ihr selbst sehen, wie euer geist funktioniert, wie er reagiert. und es ist sehr wichtig, dass ihr euren geist verstehen lernt, solange ihr jung seid, sonst wachst ihr heran und folgt einer tradition, die v├Âllig bedeutungslos ist. ihr werdet zu nachahmern und das bedeutet nichts anderes, als die angst zu n├Ąhren. dann werdet ihr niemals frei sein.

habt ihr schon einmal bemerkt, wie traditionsgebunden ihr z.b. hier in indien seid? ihr m├╝sst auf eine bestimmte weise heiraten, eure eltern suchen euren ehepartner aus. ihr m├╝sst euch an bestimmte rituale halten. sie sind vielleicht v├Âllig bedeutungslos, aber ihr m├╝sst euch daran halten. ihr habt f├╝hrerfiguren denen ihr folgen m├╝sst. alles um euch herum spiegelt - vielleicht habt ihr das einmal beobachtet - eine lebensweise wider, in der autorit├Ąt einen festen platz hat. da ist die autorit├Ąt des gurus, die autorit├Ąt der politischen gruppe, die autorit├Ąt der eltern und die autorit├Ąt der ├Âffentlichen meinung. je ├Ąlter die zivilisation, desto gr├Â├čer das gewicht der tradition mit ihren vielf├Ąltigen vorgaben zur nachahmung. solange dieses gewicht auf eurem geist lastet, kann er niemals frei sein. ihr k├Ânnt ├╝ber politische oder irgendeine andere form der freiheit reden, aber als individuum seid ihr nie wirklich frei, um selbst die wahrheit herauszufinden. ihr folgt immer; einem ideal, einem guru oder lehrer oder irgendeinem absurden aberglauben.

und so ist euer ganzes leben eingeschr├Ąnkt, begrenzt, auf bestimmte vorstellungen reduziert, und tief in eurem innern ist angst. wie k├Ânnt ihr frei denken, wenn angst da ist? deshalb ist es so wichtig, sich all dieser dinge bewusst zu sein. wenn ihr eine schlange seht und wisst, dass sie giftig ist, macht ihr, dass ihr wegkommt, ihr geht nicht n├Ąher heran. aber ihr wisst nicht, dass ihr in einem netz von nachahmungen gefangen seid, die den unternehmungsgeist blockieren. ihr seid unbewusst darin gefangen. aber wenn ihr anfangt, euch dieser imitationen bewusst zu werden, und erkennt, wie sie euch im griff haben, wenn euch klar wird, dass ihr nachahmen wollt, weil ihr angst davor habt, was die leute sagen k├Ânnten, weil ihr angst vor euren f├╝hrern den lehrern habt, dann k├Ânnt ihr euch diese imitationen, die euch gefangen halten, anschauen, ihr k├Ânnt sie untersuchen, k├Ânnt sie studieren, so wie ihr mathematik oder irgendein anderes fach studiert. ist euch beispielsweise bewusst, warum ihr frauen anders behandelt als m├Ąnner? warum behandelt ihr frauen geringsch├Ątzig? das tun zumindest viele m├Ąnner. warum geht ihr in einen tempel und f├╝hrt bestimmte rituale aus? warum folgt ihr einem guru?

ihr m├╝├čt euch zuerst einmal all dieser dinge bewusst sein; dann k├Ânnt ihr sie unter die lupe nehmen, k├Ânnt sie in frage stellen, k├Ânnt sie durchleuchten. aber wenn ihr blind alles akzeptiert, weil es in den vergangenen 3000 jahren so war, dann ist es bedeutungslos, nicht wahr? was wir in dieser welt auf keinen fall brauchen, sind noch mehr nachahmer, noch mehr f├╝hrer und gefolgsleute. wir brauchen heute individuen wie du und ich, die anfangen, all diese probleme zu untersuchen und zwar nicht oberfl├Ąchlich oder beil├Ąufig, sondern immer gr├╝ndlicher, damit der geist frei wird, um kreativ zu sein, frei, zu denken, zu lieben

bildung ist ein weg, auf dem wir unsere wahre beziehung zu den dingen, zu anderen menschen und zur natur entdecken. aber der geist erzeugt vorstellungen und diese vorstellungen werden so stark, so dominant, dass sie uns daran hindern, dar├╝ber hinaus zu blicken. solange angst da ist, folgt man der tradition; solange angst da ist, imitiert man. ein geist, der nur imitiert, ist mechanisch, nicht wahr? er funktioniert wie eine maschine; er ist nicht kreativ, er untersucht probleme nicht von allen seiten - er initiiert vielleicht bestimmte handlungen, erzielt bestimmte ergebnisse, aber er ist nicht kreativ.

wir alle ihr und ich, aber auch die lehrer, die schulleitung und die beh├Ârden - sollten also gemeinsam diese probleme untersuchen damit ihr, wenn ihr diesen ort verlasst, reife individuen seid, die selbstst├Ąndig denken k├Ânnen und nicht von traditionellen torheiten abh├Ąngig sind. dann besitzt ihr die w├╝rde eines wahrhaft freien menschen. das ist der eigentliche sinn und zweck der bildung - nicht nur die vorbereitung auf bestimmte pr├╝fungen, und f├╝r den rest des lebens in etwas hineingezw├Ąngt zu werden, das man nicht wirklich von herzen tut - beispielsweise rechtsanwalt zu werden oder beamter oder hausfrau oder eine geb├Ąrmaschine. ihr solltet darauf bestehen, eine art von ausbildung zu erhalten, die euch dazu ermutigt, frei und ohne angst┬é zu denken, eine, die euch hilft die dinge zu untersuchen und zu verstehen. das solltet ihr von euren lehrern fordern. sonst ist das leben reine verschwendung, oder nicht? ihr seid "gebildet", habt ein staatsexamen oder eitlen doktorgrad, bekommt einen job, der euch keine freude macht, aber ihr m├╝sst geld verdienen; ihr seid verheiratet und habt kinder - und in diesem leben steckt ihr f├╝r den rest eures lebens fest. ihr leidet, seid ungl├╝cklich, streits├╝chtig. ihr habt nichts, worauf ihr euch freuen k├Ânnt, au├čer auf neue babys, mehr hunger, mehr elend. nennt ihr das den sinn von erziehung und bildung? diese sollten euch doch wohl helfen, eure intelligenz auf eine weise zu entwickeln, dass ihr tut, was ihr gerne tun m├Âchtet, und nicht bei etwas h├Ąngen bleibt, das euch f├╝r den rest eures lebens ungl├╝cklich macht.

ihr m├╝sst also in eurer jugend die flamme der unzufriedenheit in eurem innern wecken; ihr solltet auf radikale ver├Ąnderung ausgerichtet sein. das ist die zeit, um fragen zu stellen, entdeckungen zu machen, zu wachsen. besteht also darauf, dass euch eure eltern und lehrer antworten. gebt euch nicht damit zufrieden, in einem klassenzimmer zu sitzen und informationen ├╝ber diesen k├Ânig oder jenen krieg in euch aufzunehmen. seid unzufrieden. geht zu euren lehrern und stellt fragen, forscht. wenn sie nicht intelligent sind, werden eure fragen und euer forschen ihnen helfen, zur intelligenz zu finden; und wenn ihr dann die schule verlasst, werdet ihr euch zu geistiger reife entwickeln und wirklicher innerer freiheit. dann werdet ihr euer leben lang weiter lernen, bis ihr sterbt, und ihr werdet gl├╝ckliche, intelligente menschen sein.

junger mensch: wie kann uns angstfreiheit zur gewohnheit werden?
├Ąterer mensch: schau, welche worte du benutzt hast. "gewohnheit" weist auf eine bewegung hin, die sich immer wieder wiederholt, kann dabei irgendetwas anderes als monotonie entstehen, wenn du eine sache unaufh├Ârlich wiederholst? ist angstfreiheit eine gewohnheit? angstfreiheit ist nur dann m├Âglich, wenn du den ereignissen des lebens begegnen und ihnen auf den grund gehen kannst, wenn du sie sehen und untersuchen kannst - aber nicht mit einem tr├Ągen geist, der in gewohnheiten gefangen ist.
wenn du die dinge gewohnheitsm├Ą├čig tust, wenn du in gewohnheiten lebst, bist du nichts anderes als ein nachahmender roboter. gewohnheit ist wiederholung, man macht gedankenlos immer wieder dasselbe und errichtet dadurch eine mauer um sich herum. wenn du durch irgendeine gewohnheit eine mauer um dich herum gebaut hast, bist du nicht frei von angst, und gerade dieses leben innerhalb der mauer macht dir angst. wenn du die intelligenz besitzt, alles, was in deinem leben geschieht, anzuschauen, das hei├čt, jedes problem, jedes ereignis, jeden gedanken und jede emotion, jede reaktion zu untersuchen - dann, und nur dann, kannst du frei von angst sein.

krishnamurti jiddu

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raum

der raum, den der gedanke um sich erzeugt, ist ohne liebe. dieser raum trennt den menschen vom menschen, und das ganze werden, der lebenskampf, die pein und die furcht sind darin eingeschlossen. meditation ist die aufhebung dieses raumes, das aufh├Âren des ich. dann gewinnen alle beziehungen eine ganz andere bedeutung, denn in dem raum, der nicht durch das denken erzeugt ist, gibt es nicht das andere - das werden -, weil "du" nicht mehr existierst. meditation ist dann nicht mehr das trachten nach einer vision, wie geheiligt sie auch durch die tradition sein mag. sie ist vielmehr der endlose raum, in den das denken nicht eindringen kann.

f├╝r uns ist der kleine raum, den das denken um sich geschaffen hat, der das ich ist, ├Ąu├čerst wichtig, denn der mensch, der sich mit allem identifiziert, was in diesem raum vorhanden ist, kennt nichts anderes, und in diesem raum wird auch die furcht geboren, nicht zu sein. wenn der mensch das verstanden hat, kann er in der meditation eine raumdimension betreten, wo handeln nicht-handeln ist.

wir wissen nicht, was liebe ist, denn in dem raum, den das denken um sich als ich geschaffen hat, ist liebe der konflikt zwischen dem ich und dem nicht-ich. dieser konflikt, diese qual ist keine liebe. das denken kann nicht in jenen raum eindringen, in dem es kein ich gibt. in diesem raum liegt gl├╝ckseligkeit, die der mensch sucht und nicht finden kann. er sucht sie innerhalb der grenzen des denkens, doch das denken zerst├Ârt nur diese seligkeit. vollkommen ge├Âffnet zu sein, preisgegeben zu sein - den h├╝geln, dem meer, dem menschen - ist das wesen der meditation.

krishnamurti jiddu

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der neue freund

rrrrr, l├Ąutet es zur gro├čen pause; im nu ist der schulhof voller kinder. um ludwig und peter steht schnell eine neugierige gruppe herum. es ist immer so lustig, wenn die beiden sich streiten. und da geht es auch schon wieder los. "h├Âr mir blo├č mit deinem bl├Âden gott auf", spottet ludwig, "ich sage dir, den gibt es ├╝berhaupt nicht. mein vater wei├č das ganz genau."

"so? woher denn? war er vielleicht schon ├╝berall im himmel und hat nichts gefunden?" "du idiot, ihr habt ja keine ahnung. ich verstehe nicht, warum gott so etwas wie dich gemacht hat." "da kann ich dich beruhigen. hat er gar nicht, weil es ihn n├Ąmlich nicht gibt! er ist blo├č eine einbildung von solchen schwachk├Âpfen wie du einer bist." "jetzt reichts mir aber. mit dir kann man ja nicht reden. komm her, dann zeig ich dir, wer st├Ąrker ist." "das kannst du haben." und sie st├╝rzen mit den f├Ąusten aufeinander los.

manche m├Ądchen gehen weg; sie k├Ânnen diese pr├╝gelei nicht mit ansehen. denn auf einmal ist es kein spa├č mehr, kein normales geraufe zwischen buben. alle sp├╝ren: die beiden meinen es ernst; bitter und b├Âse starrt einer den anderen an. k├Ânnte die lehrerin es miterleben, dann bek├Ąme sie einen schreck; bilder aus fr├╝heren zeiten fielen ihr ein: wie auf dem blumenmarkt in rom ein mann sich in den flammen windet und endlich im rauch erstickt; eine menge priester stehen herum und gehen dann zufrieden nach hause: denn dieser bruno ist gegen gott gewesen, recht geschieht es ihm. das war im februar des jahres 1600. oder die lehrerin w├╝rde daran denken, wie so mancher gl├Ąubige gegen die wand gestellt und erschossen wurde, blo├č weil er f├╝r gott war, und so etwas geh├Ârt ausgerottet. das war in den monaten der russischen revolution von 1917. den gleichen ha├č wie damals, nat├╝rlich in kindlicher form, k├Ânnte die lehrerin in den blicken der buben entdecken, aber sie sieht nicht her.

da passiert eine ├╝berraschung. einer aus dem kreis der neugierigen kann den streit nicht l├Ąnger aushalten, ausgerechnet der neue, er hei├čt friedrich wei├č und ist erst seit ein paar tagen in der klasse. er geht in die mitte, packt die kampfh├Ąhne und sagt: "h├Ârt auf, ihr spinnt ja alle beide. weil ihr n├Ąmlich beide recht habt." "was?" schreien die beiden anderen. "jawohl. und es ist ganz egal, wie jemand ├╝ber gott denkt. also vertragt euch." peter und ludwig gucken sich an, dann f├Ąngt erst der eine, dann auch der andere zu grinsen an. "ei, ist der fritz aber gescheit," h├Âhnt ludwig. und peter sagt: "also gut, h├Âren wir vorl├Ąufig auf, und bestrafen zuerst das gro├čmaul da. es ist egal, wie man ├╝ber gott denkt? so ein quatsch!" "ja, das ist wirklich der allergr├Â├čte bl├Âdsinn", stimmt ludwig ihm zu, "also los!" und mit vereinten kr├Ąften fallen beide ├╝ber friedrich her. die kinder ringsherum fangen zu lachen an. warum mu├č dieser komische fritz sich auch einmischen? der hat sich inzwischen von der ersten ├╝berraschung erholt. "haut ab, ihr schufte" schreit er w├╝tend und boxt einen der angreifer auf die nase. aber sie sind ihm ├╝ber, gegen beide zusammen kommt er nicht an. "ihr gemeinen kerle", ruft der neue. "sch├Ąmt ihr euch gar nicht, zwei gegen einen!" aber das hilft ihm nichts. im gegenteil, einer schl├Ągt ihm sogar in den magen.

da h├Ąlt jocki es nicht mehr aus. sicher, ihm kommt der neue auch komisch vor. aber so gemein darf man doch nicht sein. er springt hin und st├Â├čt den feigen magenboxer auf die seite. zwei gegen zwei, das ist etwas anderes. eine solche rauferei macht spa├č. doch wie es gerade richtig losgehen soll, l├Ąutet leider die glocke. die pause ist vorbei.

w├Ąhrend alle kinder in ihre zimmer zur├╝ckgehen, sagt friedrich: "danke, jocki, da├č du mir geholfen hast." "ist doch klar", antwortet jocki, "zwei gegen einen ist gemein." friedrich denkt eine zeitlang nach und schl├Ągt dann vor: "wei├čt du was, jocki, komm doch heute nach der schule mit mir in unser haus. ich lade dich ein. magst du nicht auch meine eltern kennen lernen?" "das schon. aber ich mu├č in den hort." "ach was, wir rufen einfach deinen vater an und fragen ihn." "ja, das geht."

wie jocki wieder in seiner bank sitzt, h├Ârt er gar nicht recht zu, was die lehrerin alles erz├Ąhlt. die maik├Ąfer sollen leben wie sie wollen, denkt er, mir ist das egal. aber wie kommt es, da├č ich so lustig bin auf einmal? warum freue ich mich eigentlich? im n├Ąchsten moment wei├č er es. es ist ihm gerade so, als h├Ątte er einen kopfsprung ins frische wasser gemacht, und das wasser hei├čt: gl├╝ck. ein richtiger freund! den hatte er sich so sehr gew├╝nscht. dieser neue mit dem ulkigen namen friedrich - k├Ânnte der vielleicht sein freund werden?

jocki erinnert sich, wie es neulich gewesen ist. mitten in der stunde hat der rektor ihn gebracht. "frau kreidebei├č", hat er gesagt, "ich ├╝bergebe ihnen da einen neuen sch├╝ler. die familie ist erst gestern in unsere stadt gezogen. nun, friedrich, ich glaube, es wird dir in dieser klasse gefallen." wie der rektor wieder gegangen war, hat die lehrerin den neuen nach seinem namen gefragt. "friedrich wei├č." "also fritz, setz dich bitte auf den leeren platz dort dr├╝ben." "ja, gern, aber ich hei├če nicht fritz, sondern friedrich." darauf hat die ganze klasse nat├╝rlich laut gelacht. und die meisten haben ihn seither erst recht fritz genannt. das hat den neuen aufgeregt und so ist es oft zum streit gekommen. dem armen fritz ist es schlecht gegangen, am schlimmsten eben gerade in der pause. aber jetzt ist das ja vorbei. jetzt sind ich und fritz, nein, ich und friedrich freunde geworden und ich will - "jocki, du tr├Ąumst schon wieder. was haben wir eben gelernt?" wie soll jocki wissen, was die maik├Ąfer gerade treiben? er hat wichtigeres zu bedenken. also sitzt er nur da und sagt kein wort. trotzdem geht die welt nicht unter, nicht einmal das schulhaus st├╝rzt ein, und sogar frau kreidebei├č bleibt am leben und gesund. andere kinder haben aufgepa├čt und melden sich eifrig; weiter geht der unterricht, viele l├Ąstige minuten lang.

endlich aber ist er doch zu ende. unsere beiden freunde rennen die treppe hinunter und sehen, wie vor ihnen ein paar gro├če schon auf dem weg zum telefonh├Ąuschen sind. schnell spurten sie an denen vorbei, m├╝ssen aber dann doch warten, weil eine ├Ąltere dame ein langes gespr├Ąch f├╝hrt. drau├čen angebunden ist eine art hund. "guten tag, mein herr", sagt jocki in der hundesprache zu ihm. das pudelchen bellt zur├╝ck. "mal sehen, ob er auch englisch kann", meint friedrich und sagt h├Âflich: "miau, miau." das ├Ąrgert den kleinen, offenbar hat er noch kein europ├Ąisches bewu├čtsein. w├╝tend kl├Ąfft er los, so da├č die dame ihr wichtiges gespr├Ąch vorzeitig abbricht und gleich aus dem h├Ąuschen ist. drinnen h├Ârt man ihr geschimpfe kaum mehr. jocki w├Ąhlt die b├╝ronummer seines vaters und erkl├Ąrt ihm seinen wunsch; der vater erlaubt ihn gern. (er ist schon lange traurig, da├č jocki keinen freund hat; davon wei├č jocki aber nichts). jetzt noch schnell im hort bescheid gesagt, und schon sind die beiden unterwegs zum haus der familie wei├č.

von j├╝rgen kuhlmann

diese gottesgeschichte geht weiter..., unter:

www.stereo-denken.de/jocki1.htm

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warum bist du nicht sussja geworden?

rabbi sussja von anipoli pflegte auf seinen wanderungen von ort zu ort den menschen zu sagen: ich f├╝rchte mich nicht davor, keine antwort zu finden, wenn ich nach meinem tod vom allm├Ąchtigen gefragt werde:
sussja, warum warst du deinem volk nicht ein so gro├čer f├╝hrer wie mose, oder ein so feuriger prophet wie elija oder ein so ber├╝hmter schriftgelehrter wie rabbi akiba?

aber ich f├╝rchte, dass meine worte verstummen, wenn ich gefragt werde:
sussja, warum bist du nicht sussja geworden? warum hast du dich entfernt von dem bild, nach dem ich dich geschaffen habe? warum bist du mit deinen anlagen und mit deinen gaben dir so fremd, so un├Ąhnlich geworden?

aus den erz├Ąhlungen der chassidim (s. 394)

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mit gott zu mittag gegessen...

es war einmal ein kleiner junge, der unbedingt gott treffen wollte. er war sich dar├╝ber bewusst, dass der weg zu dem ort, an dem gott lebte, ein sehr langer war. also packte er sich einen rucksack voll mit einigen coladosen und mehreren schokoladenriegeln und machte sich auf die reise. er lief eine ganze weile und kam in einen kleinen park. dort sah er eine alte frau, die auf einer bank sa├č und den tauben zuschaute, die vor ihr nach futter auf dem boden suchten. der kleine junge setzte sich zu der frau auf die bank und ├Âffnete seinen rucksack. er wollte sich gerade eine cola herausholen, als er den hungrigen blick der alten frau sah. also griff er zu einem schokoriegel und reichte ihn der frau. dankbar nahm sie die s├╝├čigkeit und l├Ąchelte ihn an. und es war ein wundervolles l├Ącheln! der kleine junge wollte dieses l├Ącheln noch einmal sehen und bot ihr auch eine cola an. und sie nahm die cola und l├Ąchelte wieder - noch strahlender als zuvor. der kleine junge war selig. die beiden sa├čen den ganzen nachmittag lang auf der bank im park, a├čen schokoriegel und tranken cola - aber sprachen kein wort. als es dunkel wurde, sp├╝rte der junge, wie m├╝de er war und er beschloss, zur├╝ck nach hause zu gehen. nach einigen schritten hielt er inne und drehte sich um. er ging zur├╝ck zu der frau und umarmte sie. die alte frau schenkte ihm daf├╝r ihr allersch├Ânstes l├Ącheln. zu hause sah seine mutter die freude auf seinem gesicht und fragte: "was hast du denn heute sch├Ânes gemacht, dass du so fr├Âhlich aussiehst?" und der kleine junge antwortete: "ich habe mit gott zu mittag gegessen - und sie hat ein wundervolles l├Ącheln!" auch die alte frau war nach hause gegangen, wo ihr sohn schon auf sie wartete. auch er fragte sie, warum sie so fr├Âhlich aussah. und sie antwortete: "ich habe mit gott zu mittag gegessen - und er ist viel j├╝nger, als ich gedacht habe."

verfasser unbekannt, aus dem englischen ├╝bersetzt

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w├Ąhle immer wieder gott

du stehst st├Ąndig vor einer entscheidung. die frage ist:
entscheidest du dich f├╝r gott oder f├╝r dein eigenes zweifelndes selbst?
du kennst die richtige entscheidung, doch deine emotionen, leidenschaften und gef├╝hle bedr├Ąngen dich immer wieder, den weg der selbstverneinung zu w├Ąhlen.

die grundentscheidung ist: jederzeit darauf zu vertrauen, dass gott mit dir ist und dir geben wird, was du am n├Âtigsten brauchst. deine emotionen der selbstverneinung sagen vielleicht: "es geht nicht. ich leide noch immer an derselben unsicherheit und angst wie vor sechs monaten. ich werde wohl in die alten depressiven muster des agierens und reagierens zur├╝ckfallen, ich habe mich nicht wirklich ver├Ąndert", und so weiter und so fort. es f├Ąllt schwer, diese stimmen nicht zu beachten. du wei├čt aber, dass es nicht die stimme gottes ist. gott sagt dir: "ich liebe dich und bin bei dir. ich m├Âchte sehen, wie du mir n├Ąher kommst und die freude und den frieden meiner gegenwart erf├Ąhrst. ich m├Âchte dir ein neues herz und einen neuen geist geben. ich m├Âchte dass du mit meinem mund sprichst, mit meinen augen siehst, mit meinen ohren h├Ârst und mit meinen h├Ąnden ber├╝hrst. alles, was mein ist, ist dein. vertrau mir nur und lass mich dein gott sein!"

auf diese stimme musst du h├Âren. und dieses h├Âren verlangt eine echte entscheidung, die nicht nur dann und wann zu treffen ist, sondern jeden tag und jede nacht. du allein bist es, der entscheidet, wie du denkst, redest und handelst. du kannst dich selber in eine niedergeschlagenheit hineindenken, du kannst dich selbst in eine geringe selbsteinsch├Ątzung hineinreden, und du kannst in selbstverneinender weise handeln. aber immer hast du die wahl, im namen gottes zu denken, zu reden und zu handeln und damit auf das licht, die wahrheit und das leben zuzugehen.

indem diese zeit einer geistlichen erneuerung zu ende geht, stehst du wiederum vor einer entscheidung: du kannst diese monate entweder als einen misslungenen versuch, zu neuem leben geboren zu werden, in erinnerung behalten oder als einen kostbaren zeitabschnitt, in dem gott etwas neues in dir begann, das vollendet werden muss. deine zukunft h├Ąngt von deiner entscheidung ab, wie du dich an deine vergangenheit erinnerst. entscheide dich f├╝r die wahrheit dessen, was du wei├čt. lass dich nicht von deinen noch vorhandenen emotionen der angst ablenken. indem du dich f├╝r gott entscheidest, werden deine emotionen nach und nach ihr rebellieren aufgeben, nicht mehr tr├╝gen und wahrheit in dir werden.

dir steht ein wirklicher geistlicher kampf bevor. aber hab keine angst! du bist nicht allein! deine begleiter, die dir w├Ąhrend dieser zeit zur seite standen, verlassen dich nicht. ihr gebet und ihr beistand werden dich begleiten, wohin du auch gehst. nimm sie in dein herz, damit sie dich deinen entscheidungen entsprechend f├╝hren k├Ânnen.

denk daran: du wirst sicher gehalten. du wirst geliebt. du wirst besch├╝tzt. du bist mit gott verbunden und mit denen, die gott dir geschickt hat. was von gott ist, hat bestand. es geh├Ârt zum ewigen leben. entscheide dich daf├╝r, und es wird dein sein.

henri j. m. nouwen

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hindernisse auf dem weg zum gl├╝ck

was ich jetzt sage, mag etwas ├╝bertrieben klingen, aber es ist wahr: vor ihnen k├Ânnen die wichtigsten minuten ihres lebens liegen. wenn sie das begreifen, wird ihnen das geheimnis des erwachens mit einem schlag klar. sie werden f├╝r immer gl├╝cklich, werden nie wieder ungl├╝cklich sein. nichts und niemand wird ihnen mehr etwas anhaben k├Ânnen. ich meine das wirklich so: nichts.
es ist, wie wenn jemand schwarze farbe in die luft wirft: die luft wird davon nicht schwarz, luft kann man nicht schwarz anmalen. egal, was ihnen zust├Â├čt, es ber├╝hrt sie nicht. sie behalten ihren frieden. es gibt menschen, die das erreicht haben, was ich "menschlich sein" nenne. lassen sie den unsinn, wie eine marionette einmal hierhin und einmal dorthin gezogen zu werden. lassen sie sich nicht von dem, was passiert, oder anderen leuten vorschreiben, wie sie empfinden sollen. sie f├╝hlen, wie man es von ihnen erwartet, und nennen es "verwundbar sein". f├╝r mich hei├čt das: "eine marionette sein". m├Âchten sie eine marionette sein? ein druck auf den knopf und sie liegen am boden; gef├Ąllt ihnen das? doch wenn sie sich weigern, sich mit einem jener etiketten zu identifizieren, werden die meisten ihrer sorgen bald ein ende haben.

wir werden sp├Ąter noch ├╝ber die angst vor krankheit und tod zu sprechen kommen, doch gew├Âhnlich drehen sich ihre sorgen um die karriere. ein gesch├Ąftsmann um die f├╝nfzig, der kaum zeit hat, trinkt in einer bar ein bier und sagt: "schau dir doch mal meine alten klassenkameraden an, die haben es wirklich geschafft." vielleicht stehen ihre namen in der zeitung. hei├čt das wohl, es zu "schaffen"? einer ist fabrikdirektor, ein anderer wurde richter; einer wurde dies, ein anderer das. narren, alle miteinander! wer bestimmt denn, was "erfolg haben" bedeutet? die t├Ârichte gesellschaft!
die hauptsorge der gesellschaft besteht darin, die gesellschaft krank zu machen. und je eher sie das merken, desto besser f├╝r sie. ├╝bel dran sind diese leute, und sie haben die richtung verloren. sie wurden direktor der irrenanstalt, und sie sind noch stolz darauf, obwohl das ├╝berhaupt nichts bedeutet. direktor einer firma zu sein, hat nichts damit zu tun, erfolgreich zu leben. einen haufen geld zu haben, hat nichts damit zu tun, ob man ein gelungenes leben f├╝hrt. ihr leben gelingt, wenn sie wach werden! dann m├╝ssen sie sich bei niemand mehr entschuldigen, brauchen niemand mehr etwas zu erkl├Ąren, es ist f├╝r sie nicht wichtig, was jemand von ihnen denkt oder ├╝ber sie erz├Ąhlt. nichts kann sie mehr qu├Ąlen; sie sind gl├╝cklich. das hei├čt f├╝r mich, erfolgreich zu sein.
ein guter posten, ber├╝hmtheit und ein guter ruf haben absolut nichts mit gl├╝ck oder erfolg zu tun. das ist v├Âllig unwichtig.
in wirklichkeit plagt unseren mann in der bar die frage, was seine kinder wohl von ihm halten, was seine nachbarn von ihm denken, wie seine frau ├╝ber ihn denkt. er h├Ątte ber├╝hmt werden sollen. unsere gesellschaft und kultur h├Ąmmern es ihm tag und nacht ein. leute, die es geschafft haben! was geschafft? sich selbst zum narren machen, das hat er geschafft. denn er hat seine ganze energie auf etwas wertloses gerichtet. er ist ├Ąngstlich und verwirrt, eine marionette wie alle anderen. sehen sie sich an, wie er ├╝ber die b├╝hne stolziert. beobachten sie einmal, wie er sich aufregt, wenn er einen fleck auf dem hemd hat. hei├čt das erfolg?

schauen sie einmal, wie er angst bekommt, wenn er daran denkt, dass er vielleicht nicht wiedergew├Ąhlt wird. nennen sie das erfolg? er wird durch und durch kontrolliert, manipuliert. ein ungl├╝cklicher, bedauernswerter mensch. das leben macht ihm keine freude. er ist st├Ąndig unruhig und ├Ąngstlich. nennen sie das menschlich?

und wissen sie, warum das so ist? nur aus einem einzigen grund: sie haben sich mit einem bestimmten aufkleber identifiziert, haben ihr "ich" mit ihrem geld oder ihrem job oder ihrem beruf gleichgesetzt. das war ihr irrtum. kennen sie die geschichte vom rechtsanwalt, dem der klempner eine rechnung ausgestellt hatte? er sagte zum klempner: "also h├Âren sie mal, sie verlangen 200,- mark f├╝r die stunde. soviel verdiene ich ja als rechtsanwalt nicht." darauf antwortete der klempner: "als ich noch rechtsanwalt war, habe ich das auch nicht verdient!"

ob man klempner, rechtsanwalt, gesch├Ąftsmann oder priester ist, ber├╝hrt das eigentliche "ich" nicht. wenn ich morgen meinen beruf wechseln w├╝rde, w├Ąre das so, als wechselte ich meinen anzug. ich selbst bleibe derselbe. sind sie ihre kleider? sind sie ihr name? sind sie ihr beruf? h├Âren sie auf, sich mit alldem zu identifizieren. das alles kann von heute auf morgen anders sein. wenn sie das wirklich begriffen haben, kann sie keine kritik mehr treffen. keine schmeichelei, kein lob wird sie mehr r├╝hren... m├Âchten sie gl├╝cklich sein? ununterbrochenes gl├╝ck hat keine ursache. wahres gl├╝ck hat keine ursache... gl├╝ck ist unser nat├╝rlicher zustand. gl├╝ck ist der nat├╝rliche zustand kleiner kinder, ihnen geh├Ârt das k├Ânigreich, bis die dummheit der gesellschaft und kultur sie angesteckt und verdorben hat. um das gl├╝ck zu erlangen, m├╝ssen sie gar nichts tun, denn das gl├╝ck kann man nicht erlangen. wissen sie auch warum? weil wir es schon haben. wie soll man etwas erlangen, was man schon besitzt? aber warum erfahren sie es dann nicht? weil sie zuerst etwas verlieren m├╝ssen, und zwar ihre illusionen. sie brauchen nichts zus├Ątzliches, um gl├╝cklich zu sein; im gegenteil, sie m├╝ssen etwas verlieren. das leben ist leicht, das leben macht spa├č. es ist nur hart zu unseren illusionen, ambitionen, ihrer gier, ihren sehns├╝chten. wissen sie, woher das alles kommt? daher, dass sie sich mit allen m├Âglichen aufklebern identifiziert haben!

ein mensch

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