was macht ihr da eigentlich???

werde ich das von einer freundin gefragt, dann komm ich selbst ins nachdenken. wie beschreibe ich etwas, was ich mir auch nicht vorstellen konnte, bis ich es selbst erlebt habe? der formelle rahmen ist ganz schlicht: wir treffen uns jeder/ jede hat 20 minuten redezeit, die anderen hören ihm/ ihr zu. vielleicht sagt er/ sie in diesen 20 minuten überhaupt nichts. darauf kommt es nicht an. nach 20 minuten wird gewechselt. mehr passiert nicht. es gibt kein programm, kein konzept, keine festen vorstellungen, was in diesen 90 minuten passieren soll. nichts m u s s passieren. alles d a r f passieren.

wenn ich spreche… sind es die kleinen dinge, von denen ich so viel lerne. die verlegenheit, die mich überkommt, wenn mich vier offene, wache augen anschauen. die unsicherheit, die in mir aufsteigt, wenn ich plötzlich soviel raum habe. all die erwartungen, die ganz automatisch auftauchen. was erwarten die jetzt von mir? was erwarte ich von mir, wenn ich hier sitze? also, ich darf alles sagen, das ist ja schon mal gut. aber es muss schon gut genug sein, nicht zu trivial, nicht zu heftig, nicht zu oberflächlich, nicht zu langweilig, nicht so dass ich mich blamiere usw. usw. und hier habe ich plötzlich die zeit schritt für schritt mitzuverfolgen, wie ein gedanke in meinem kopf zu einem satz wird. wie viel kontrollstationen er durchlaufen muss, was verworfen wird, was bleiben darf. und was letztendlich aus meinem mund kommt. das ist manchmal erschreckend. der rahmen hilft mir, nicht in ärger über mich selbst zu verfallen. ich kann es so stehen lassen, und dann den nächsten moment in mein leben lassen.

wenn ich zuhöre… dann kann ich üben, dem anderen nah zu sein und ihm gleichzeitig seinen raum zu lassen. manchmal ist es schwer, den anderen so sein zu lassen. dazu gehört, ihm nicht mit einer lösung für sein problem zu versorgen, "damit er sich nicht mehr quält". dazu gehört, ihn ganz so sein zu lassen, wie er eben im moment ist, mit seinen ängsten und sorgen, mit seinen eitelkeiten, seinen illusionen, seinen ganz persönlichen wünschen und befürchtungen.
und das üben wir. jedes gespräch ist anders und auf seine art einzigartig. und vor allem anderen ist es eins: menschlich.

franzi